Bayern 2 - Gedanken zum Tag


10

Moonhee Fischer Gedanken zum Tag

Die Frage nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält, muss entschieden größer gedacht werden, nämlich aus der Perspektive der ganzen Wirklichkeit.

Stand: 30.04.2020

30 April

Donnerstag, 30. April 2020

Die Frage nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält, muss entschieden größer gedacht werden, nämlich aus der Perspektive der ganzen Wirklichkeit. Hier stoßen die Wissenschaft sowie der analysierende Verstand an ihre Grenzen, denn Wirklichkeit ist nicht dinglich greifbar - in ihrem Wirken als Verbundenheit oder Beziehung schlechthin ist sie ja vollkommene Offenheit bzw. absolute Verschränkung. Nicht greifbar bedeutet aber nicht nicht erfahrbar. Vielmehr ist die Wirklichkeit das unmittelbar Erfahrene. Da die unmittelbare Erfahrung in das Fachgebiet der Mystik oder Spiritualität fällt, steht sie der Wissenschaft nicht entgegen, sondern stellt eine Erweiterung der Wissenschaften dar. (…) Der moderne Mystiker ist kein liebestrunkener bzw. gottesfanatischer Weltenflüchtiger - er ist ein integraler Mensch, der sich seines einheitlichen Ursprungs und der damit verbundenen Weltverantwortlichkeit als ganzer Mensch bewusst ist. Der integrale oder holistische Mensch zeichnet sich durch die Einheit mit sich selbst und mit Anderen aus. - Er und die Welt sind eins. Dieses Wissen ist keine intellektuelle Erkenntnis des Verstandes, sondern die Einheitserfahrung des Herzens.

Entnommen aus: Moonhee Fischer "Wir erleben mehr, als wir begreifen. Studien zur Bedeutung und Interpretation des mystischen Weges der Leere und Fülle in fünf religiösen Traditionen", EOS Verlag, Erzabtei Sankt Ottilien 2020


10