Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Monika Tremel Gedanken zur Fastenzeit

Bei einer Freundin hängt in der Diele an der Wand folgender Spruch: "Das Leben ist schön, von einfach war nie die Rede."

Stand: 28.03.2020

28 März

Samstag, 28. März 2020

Bei einer Freundin hängt in der Diele an der Wand folgender Spruch: "Das Leben ist schön, von einfach war nie die Rede." Jedes Mal, wenn ich sie besuche, dann berührt mich dieser Spruch. Wie wahr, was da über das Leben und über die Schönheit steht. Das Schöne wird ja oft verwechselt mit einem Ideal, das eine heile Welt zeigt: makellose Ästhetik, perfekte Harmonie, schöner Schein. Das Unvollkommene und Unansehnliche hat in diesem Ideal keinen Platz. Der kürzlich verstorbene Dichter Ernesto Cardenal hat einmal gesagt: Alle Schönheit ist traurig und bitter. In diesem Sinne könnte man auch sagen: Das Leben ist gerade deshalb schön, weil es nicht einfach ist. Es ist schön, weil es unvollkommen und endlich ist. Das wirkliche Leben sieht man nicht in der Welt der perfekten Bilder. In der Fastenzeit denken Christinnen und Christen an Jesus von Nazareth, der durch die Folter entstellt wurde und am Kreuz ein unansehnliches Bild abgegeben hat. Dieser Jesus sagt uns heute: in all den Menschen, die scheinbar kein schönes Bild abgeben, die unsere Gesellschaft verachtet, überall da, wo das Leben ungeschminkt und hässlich daherkommt, da ist Gott zu finden. Eine nicht einfache, aber schöne Botschaft, die Christinnen und Christen an Ostern feiern.

Monika Tremel / unveröffentlichter Text


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