Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Monika Tremel Gedanken zur Fastenzeit

In meiner Heimatregion - rund um Nürnberg - werden bei Baggerarbeiten fast täglich Fliegerbomben aus dem zweiten Weltkrieg gefunden.

Stand: 26.03.2020

26 März

Donnerstag, 26. März 2020

In meiner Heimatregion - rund um Nürnberg - werden bei Baggerarbeiten fast täglich Fliegerbomben aus dem zweiten Weltkrieg gefunden. Wenn eine solche Fliegerbombe entdeckt wird, dann muss der Kampfmittelräumdienst anrücken. Ein Sprengmeister entscheidet und trägt die Verantwortung. Er beurteilt, wie groß und wie gefährlich die Bombe ist. Wie tief sie unter der Erde liegt und wie die Bodenbeschaffenheit ist. Wie dicht das Gebiet besiedelt ist und bis wohin evakuiert werden muss. Denn, wenn die Bombe nicht entschärft werden kann, dann muss sie kontrolliert gesprengt werden. Man braucht starke Nerven und muss Ruhe bewahren. Die Spezialisten arbeiten in solchen Situationen unter Hochdruck. Jeder muss sich auf jeden verlassen können. Eine Bombe zu entschärfen ist ein hoch gefährlicher und verantwortungsbewusster Job. Und jedes Mal, wenn im Radio ein solcher Fund gemeldet wird, denke ich mir: die Bomben aus dem letzten Krieg sollten uns eine Mahnung sein. Denn derselbe Geist, der ganz Europa in einen Friedhof verwandelt hat, ist auch heute wieder da und sät Hass und Konflikte. Und vielleicht ist es ja nötig, dass wir alle Sprengmeisterinnen und Sprengmeistern werden. Dass wir die Fähigkeit entwickeln, Konflikte zu entschärfen. Dass wir Streitigkeiten nicht weiter nähren. Konflikte entschärfen und für den Frieden arbeiten, damit uns die Welt nicht um die Ohren fliegt. Ich finde, das ist eine gute Idee für die kommenden Tage der Fastenzeit und darüber hinaus.

Monika Tremel / unveröffentlichter Text


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