Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Georg Reider Gedanken zum Tag

Zentral für die Schulung der seelischen Fähigkeiten ist die Einübung in die Achtsamkeit, wie sie vor allem aus den östlichen meditativen Traditionen kommt.

Stand: 06.02.2020

06 Februar

Donnerstag, 06. Februar 2020

Zentral für die Schulung der seelischen Fähigkeiten ist die Einübung in die Achtsamkeit, wie sie vor allem aus den östlichen meditativen Traditionen kommt. Dabei geht es im Wesentlichen darum, das, was in uns geschieht, urteilsfrei zu beobachten. Meist sind wir uns nicht bewusst, dass wir ständig urteilen und unser Erleben in "gut - schlecht", "darf sein - darf nicht sein", "soll bleiben - muss weg" einteilen. Der Buddhismus ist der Ansicht, dass die Inhalte des Bewusstseins über die Informationen, die wir über die Sinnesorgane erhalten und durch das Denken erzeugen, entstehen. Durch die Übung der Achtsamkeit erkennen wir, dass diese Inhalte nicht wahr oder objektiv sind. Sie sind vielmehr subjektiv, weil sie ständig von uns produziert und modifiziert werden, und: Sie vergehen, das heißt, sie kommen und gehen und verändern sich ständig. So ist Achtsamkeit eine Einstellung und eine Lebensweise, die, sofern ihr Wesen grundsätzlich erkannt, angenommen und praktiziert wird, sehr entlastend wirken kann. Achtsamkeit schafft einen inneren Raum der Aufmerksamkeit und Beobachtung und führt mit zunehmendem Bewusstsein zu dem, was im Buddhismus Zeugenbewusstsein genannt wird. Darunter versteht man die Fähigkeit, sich selbst möglichst neutral beobachten zu können, d. h. neutraler Zeuge des Geschehens und unseres Lebens werden zu können.

Entnommen aus: Georg Reider "Lass die Seele für dich sorgen. Entlastend glauben, achtsam leben", Kreuz Verlag, Freiburg 2014


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