Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Constanze Kleis Gedanken zum Tag

Es ist keine Erfindung der Kirchen, dass der Mensch eine Auszeit braucht. Pausen liegen vielmehr in unserer Natur. Selbst das unermüdliche Herz gönnt sich zwischen zwei Schlägen einen Moment der Ruhe.

Stand: 24.01.2020

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

22 Januar

Mittwoch, 22. Januar 2020

Es ist keine Erfindung der Kirchen, dass der Mensch eine Auszeit braucht. Pausen liegen vielmehr in unserer Natur. Selbst das unermüdliche Herz gönnt sich zwischen zwei Schlägen einen Moment der Ruhe. Wir können nicht wie die Duracell-Hasen laufen und laufen und laufen. Wir müssen auch mal die Batterien aufladen, schlafen, die Füße hochlegen, in den Himmel schauen. Es sei denn, wir planen ein frühes Ableben. "Karoshi" nennt man in Japan diese Art, das Zeitliche zu segnen. Übersetzt wird das mit "Tod durch Erschöpfung". 191 Menschen soll es allein 2017 getroffen haben. Nach Angaben der japanischen Regierung befindet sich derzeit jeder fünfte Beschäftigte an seinem Arbeitsplatz in Lebensgefahr. Die offizielle Arbeitszeit beträgt zwar vierzig Stunden, aber es gibt kein Limit nach oben und zudem ein ausgeprägtes, kulturell bedingtes Pflichtbewusstsein. Traurige Berühmtheit erlangte der Fall einer jungen Journalistin, die 2013 mit Anfang dreißig starb. Sie hatte mehrere Wochenenden durchgearbeitet, so gut wie nicht geschlafen und Hunderte von Überstunden angehäuft. Man fand sie tot mit einem ihrer drei Mobiltelefone in der Hand. Dabei hatte schon der im Land der aufgehenden Sonne so hochverehrte Johann Wolfgang von Goethe gewarnt: "Unbedingte Tätigkeit, von welcher Art sie sei, macht zuletzt bankrott."

Entnommen aus: Constanze Kleis "Sonntag! Alles über den Tag, der aus der Reihe tanzt", Piper Verlag, München 2019


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