Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Russischer Pilger Gedanken zum Tag

Das Denken an Gott ist für mich mit Anstrengung und Trockenheit verbunden.

Stand: 23.01.2020

23 Januar

Donnerstag, 23. Januar 2020

Das Denken an Gott ist für mich mit Anstrengung und Trockenheit verbunden. Wenn ich ihn geliebt hätte, so wäre das Zwiegespräch mit ihm im Gebet mir Nahrung gewesen, hätte mir Freude bereitet und mich zur ununterbrochenen Verbundenheit mit Ihm geführt. Ich dagegen empfinde nicht nur keine Freude beim Gebet, sondern wenn ich mich damit abgebe, spüre ich nur die Anstrengung, nur das Mühsame und habe mit Unlustgefühlen zu kämpfen. Die Trägheit lähmt mich, und ich bin gern bereit, mich mit etwas Nebensächlichem zu beschäftigen, nur um das Gebet abzukürzen oder gar ganz aufzugeben. Während der eitlen Beschäftigungen verfliegt die Zeit für mich unmerklich, aber wenn ich mich mit Gott beschäftige, beim Wandel in seiner Gegenwart, kommt mir jede Stunde wie ein Jahr vor. Wer jemanden liebt, der denkt im Laufe des Tages ununterbrochen an ihn, stellt ihn sich vor Augen, ist um ihn besorgt und bei all seinen Beschäftigungen weicht der geliebte Freund nicht aus seinen Gedanken. Ich aber nehme mir im Laufe des Tages kaum eine volle Stunde Zeit, um mich tiefer in die Betrachtung Gottes zu versenken und mich an seiner Liebe zu entzünden. Dreiundzwanzig Stunden lang dagegen opfere ich gern und eifrig den Götzen meiner Leidenschaft!

Entnommen aus: "Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers", herausgegeben von Emmanuel Jungclaussen, übersetzt von Reinhold von Walter, Herder Verlag, Freiburg 1996


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