Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Walter Rupp Gedanken zum Tag

"Das Auflagenglück vieler Autoren", meint der Schriftsteller Roda Roda, beruhe auf der Tatsache: dass man einem Autor einen Vorschuss an Vertrauen gewährt, und "ein Buch erst kauft und dann liest".

Stand: 17.01.2020

17 Januar

Freitag, 17. Januar 2020

"Das Auflagenglück vieler Autoren", meint der Schriftsteller Roda Roda, beruhe auf der Tatsache: dass man einem Autor einen Vorschuss an Vertrauen gewährt, und "ein Buch erst kauft und dann liest". Die meisten Bücher würden nie gekauft, hätte man sie vorher gelesen. Ein Bücherkauf geschieht aus sehr verschiedenen Gründen: aus bloßer Lust am Lesen; oft, weil man das Buch für die Schule oder ein bevorstehendes Examen braucht; noch öfter, weil der Autor einen Namen hat und die Aufmachung, die Werbung und der Titel viel versprechen; am häufigsten, weil eine Besprechung lobend ausgefallen war, und man meint, man müsse, was alle Welt gelesen hat, auch lesen. Bücher müssen sich nicht selten gefallen lassen, dass man sie als Staffage, als dekorativen Hintergrund missbraucht, um den Eindruck von Bildung und Belesenheit zu erwecken. Würden manche Leute den Inhalt der Bücher kennen, die in ihren Regalen stehen, sie würden sich in ihrer Gegenwart unwohl fühlen. Bücher können, wie die Menschen, geschwätzig oder lehrreich, langweilig oder aufregend sein, sie können angenehme oder miese Stimmungen verbreiten, ja wie Bazillenträger krankmachen. Gut sind eigentlich nur jene Bücher, die den Erkenntnishorizont erweitern, und zu denen man immer wieder greift, weil sie Bleibendes aussagen.

Walter Rupp SJ / unveröffentlichter Text


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