Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Tom Diesbrock Gedanken zum Tag

Unkonstruktive, zweifelnde, selbstkritische und pessimistische Gedanken standen meinem Glück leider ziemlich oft im Weg.

Stand: 16.01.2020

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

16 Januar

Donnerstag, 16. Januar 2020

Unkonstruktive, zweifelnde, selbstkritische und pessimistische Gedanken standen meinem Glück leider ziemlich oft im Weg. Vor allem in meiner Jugend traute ich mir wenig zu und ließ mich viel zu sehr von Ängsten steuern. Kein Wunder, dass ich als junger Erwachsener begeistert war, als ich das sogenannte "positive Denken" für mich entdeckte. Endlich eine Möglichkeit, meine Psyche umzukrempeln und ein sonnigeres Gemüt zu entwickeln! (...) Leider stellte ich bald fest, dass diese (…) Theorie (…) Nebenwirkungen hatte: Mir gelang es zwar, die Schattenseiten meiner Psyche für eine Weile zu verdrängen - aber natürlich meldeten sie sich bald umso heftiger zurück. (...) Heute halte ich es eher mit dem Komiker Heinz Erhard, der einmal sagte: "Sie dürfen nicht alles glauben, was Sie denken". Unsere grauen Zellen produzieren eine Menge mentalen Kuddelmuddel. (…) Welche Gedanken und Gefühle die Oberhand behalten, ist vor allem abhängig davon, wie lange wir sie schon trainieren und kultivieren. Wenn ich zum Beispiel schon seit Ewigkeiten glaube, hilflos und schwach zu sein, ist dieser Glaube wie ein gut trainierter Muskel, der sich bei jeder Gelegenheit nach vorne drängt und die realistischere Erkenntnis, dass ich durchaus aktiv sein und Dinge verändern kann, niederbrüllt.

Entnommen aus: Tom Diesbrock "Von Hunden und Menschen und der Suche nach dem Glück", Herder Verlag, Freiburg 2018, (E-Book, 3. Kapitel, "Anmerkung von Tom: Wir sollten nicht alles glauben, was wir denken")


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