Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Stefan Bauberger Gedanken zum Tag

Vor fast zwanzig Jahren nahm ich in der Tempelstadt Varanasi in Indien an einer Führung teil, organisiert von dem Hotel, in dem ich übernachtete.

Stand: 03.01.2020

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

03 Januar

Freitag, 03. Januar 2020

Vor fast zwanzig Jahren nahm ich in der Tempelstadt Varanasi in Indien an einer Führung teil, organisiert von dem Hotel, in dem ich übernachtete. Ein frommer Hindu zeigte uns einige Tempel und erklärte sie uns. (…) Während ich etwas abseits von der Gruppe durch einen der gezeigten Tempel ging, sprach mich der Führer an: „Sie sind doch auch ein religiöser Mensch?“ Meine Antwort: „Ja, ich bin ein katholischer Priester“. Darauf erwiderte er, der fromme Hindu: „Sehr gut, sehr gut!“ Dieses Verstehen zwischen uns bewegte mich tief, und ihm erging es ganz offensichtlich sehr ähnlich. Etwas verband uns in diesem Augenblick (…). Dieses Etwas kann ich nicht klar in Worte fassen. (…) Es ging um die Dimension des Absoluten, des Göttlichen, (…) In der Dimension, in der diese Begegnung stattfindet, gibt es kein Vergleichen, kein Gegeneinander von Religionen. Da gibt es nur den Bezug auf das Absolute, für das viele unterschiedliche Namen existieren. (…) Diese Absolutheit trennt die Religionen nicht, sondern verbindet sie in ihrem Kern. Die jeweils eigene Religion muss immer gegen Verflachungen verteidigt werden. Nicht nur Gott ist absolut, sondern auch sein Anspruch an diejenigen, die ihm folgen. (…). Doch Absolutheit darf nicht falsch verstanden werden. (…) Der absolute Anspruch der absoluten Wirklichkeit drückt sich nicht im Kampf der Religionen aus.

Entnommen aus: Stefan Bauberger „Glück ohne Ratgeber:Eine Philosophie des Gelingens“, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2019


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