Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Margarete Dvorak Gedanken zur Adventszeit

Brennende Ölfelder in Kuweit, der Völkermord in Ruanda oder die Ausbeutung von Arbeitern in Goldminen - als Fotograf hält Sebastiao Salgado internationale Konflikte, Kriege mit ihren weitreichenden Folgen, Vertreibung (...) fest.

Stand: 04.12.2019

04 Dezember

Mittwoch, 04. Dezember 2019

Brennende Ölfelder in Kuweit, der Völkermord in Ruanda oder die Ausbeutung von Arbeitern in Goldminen - als Fotograf hält Sebastiao Salgado internationale Konflikte, Kriege mit ihren weitreichenden Folgen, Vertreibung, Hungersnöte, vielfältiges Leid und Unrecht fest. Seine Bilder gehen um die Welt. Anders als die meisten Fotografen, die anreisen, kurz auf den Auslöser drücken und sich dann in Sicherheit bringen, verweilt Salgado Wochen und Monate vor Ort. Er taucht tief ein in menschliches Leid. Darüber erkrankt er schwer. Salgado hat den Glauben an die Menschlichkeit verloren. Ein befreundeter Arzt rät ihm, sich um seine verwundete Seele zu kümmern. Mit seiner Frau an der Seite kehrt er zu seinen Ursprüngen nach Brasilien zurück. Dort, wo sein Elternhaus steht, findet er nur eine trostlose Ödnis vor, weil man den Regenwald abgeholzt hat. Seine Frau hat die zündende Idee, die Gegend zurück zu verwandeln. Mit vielen Helfern pflanzen sie zweieinhalb Millionen Bäume. Und das Paradies kommt zurück. Beeindruckt davon, macht er sich auf der ganzen Welt acht Jahre lang mit der Kamera auf die Suche nach der zerbrechlichen Schönheit und Unberührtheit der Natur. "Meine Sprache ist das Licht", hat er gesagt, als er im Oktober den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen bekam. Wer seine Bilder sieht, kann sich ihrer Botschaft kaum entziehen.

Margarete Dvorak / unveröffentlichter Text


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