Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Alain Braconnier Gedanken zum Tag

Vertrauen ist hauptsächlich ein affektives und emotionales Phänomen. Wenn man jemandem Vertrauen schenkt, dann aus gutem Grund, und man kann sich nur schwerlich vorstellen, damit einen Fehler gemacht zu haben.

Stand: 29.11.2019

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

29 November

Freitag, 29. November 2019

Vertrauen ist hauptsächlich ein affektives und emotionales Phänomen. Wenn man jemandem Vertrauen schenkt, dann aus gutem Grund, und man kann sich nur schwerlich vorstellen, damit einen Fehler gemacht zu haben. (…) Häufig ist es für denjenigen, dessen Vertrauen missbraucht wurde, leichter, die Realität zu verleugnen oder vor ihr zu fliehen. Vertrauen ist vor allem ein gegenseitiger Trost - wer es schenkt, profitiert ebenso davon wie der Beschenkte. Nach einer bösen Überraschung können sich Zweifel einschleichen, und das trotz des psychologischen Mechanismus, die Qualität der Beziehung aufrechterhalten zu wollen. Klarsichtige Menschen suchen dann nach anderen natürlichen Signalen, die ihre Sorge untermauern. Erweist sich der Zweifel anschließend als richtig, folgt die Enttäuschung oder mehr noch das Gefühl, hintergangen worden zu sein. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das positive Gefühl, das wir mit Vertrauen verbinden, ebenso schnell in eine negative Emotion umschlagen kann. (…) Vertrauen ist ein Akt des Glaubens. Wir müssen wachsam sein, was und wem wir glauben wollen, denn häufig sind es unsere Gelüste, die uns in die Falle locken.

Entnommen aus: Alain Braconnier "Ohren auf! Wer richtig zuhört, öffnet Herzen", aus dem Französischen von Dietlind Falk, Goldmann Verlag, München 2018


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