Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Christian Kummer Gedanken zum Tag

Mose hat es vor seinem Erlebnis am Dornbusch durchaus verstanden, sein Leben als Israelit unter den Ägyptern einzurichten, und offenbar nicht auf die schlechteste Weise.

Stand: 27.11.2019

27 November

Mittwoch, 27. November 2019

Mose hat es vor seinem Erlebnis am Dornbusch durchaus verstanden, sein Leben als Israelit unter den Ägyptern einzurichten, und offenbar nicht auf die schlechteste Weise. Auch als sich sein Glück wendete, und er auf einmal die Strafe des Pharaos fürchten musste, wurde er darob nicht gleich zum revolutionären Propheten, sondern suchte sein Heil erst einmal in der Flucht. Erst die Begegnung am Dornbusch machte ihm einen Auftrag bewusst: Er habe sein Volk zu befreien und durch die Wüste zu führen. Das veränderte sein ganzes weiteres Leben und wurde ihm oft noch beschwerlich genug. Allein, das bestärkende Erlebnis durch den, der "da" ist, lässt sich nicht einfach nach Bedarf wiederholen. Zur Rückversicherung bleiben nur die Erinnerung und die zähe Zuversicht, mit dem Sich-einlassen auf die erfahrene Sendung auf die richtige Karte gesetzt zu haben. Es gibt, wie die weitere Geschichte des Moses im Buch Exodus zeigt, zusätzliche Erlebnisse des Heiligen in seinem Leben, aber auch sie kommen unversehens, und keineswegs immer gleich dann, wenn sie gebraucht würden. Und vor allem: Sie verschwinden wieder, lassen sich nicht konservieren und nach eigenem Wunsch reaktivieren. Bei aller Beharrlichkeit im eingeschlagenen, religiös motivierten Lebensweg - die Durststrecken bleiben.

Entnommen aus: Christian Kummer "An Gott als Person glauben? Eine Spurensicherung", Matthias Grünewald Verlag, Ostfildern 2019


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