Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Richard Rohr Gedanken zum Tag

Wir müssen warten und beobachten. Nichts anderes geschieht in den ersten Stadien der Kontemplation. Wir warten schweigend. In der Stille fallen alle unsere gewohnten Muster über uns her.

Stand: 25.11.2019

25 November

Montag, 25. November 2019

Wir müssen warten und beobachten. Nichts anderes geschieht in den ersten Stadien der Kontemplation. Wir warten schweigend. In der Stille fallen alle unsere gewohnten Muster über uns her. Unsere Muster der Kontrolle, der Abhängigkeit, der Negativität und der Angst stellen sich ein. Das ist der Grund, weshalb die meisten Menschen rasch wieder aufgeben. (…) Kontemplation hat zunächst überhaupt nichts Tröstliches. Sie zeigt uns die Dinge so, wie sie sind. Sobald wir die äußeren Reize wegnehmen, bricht ein riesiger innerer Tumult aus. Unabgeschlossene Emotionen, unaufgelöste Spannungen, alle, auf die wir wütend sind, alle, die wir anders haben wollen, und all die Dinge, die wir uns wünschen. (…) Geh also in dein Kämmerlein, wie Jesus sagt, und schließe die Tür zu (…). Erst dann, wenn wir den ständigen Aufmarsch neuer Stimmen und Ideen stoppen, sehen wir die zu Grunde liegenden, immer wiederkehrenden Muster. Diese Erfahrung ist demütigend. Die ersten Stimmen, die wir hören, sind normalerweise negativ. Es sind paranoide und zwanghafte Gedanken. Es sind opportunistische und unsichere Gedanken. Lüsterne und träge Gedanken tauchen auf. Sie werden es kaum aushalten, das kann ich Ihnen jetzt schon sagen.

Entnommen aus: Richard Rohr "Wer loslässt, wird gehalten. Das Geschenk des kontemplativen Gebets", aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Tilman Haberer, Claudius Verlag, München 2016


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