Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Walter Rupp Gedanken zum Tag

Niemand ist so gefühllos, dass er nicht ab und zu den Drang verspürt, gut zu sein und Gutes zu tun, sogar Ganoven verspüren ihn. Aber leider wird das Gute häufiger gepriesen als getan.

Stand: 11.11.2019

11 November

Montag, 11. November 2019

Niemand ist so gefühllos, dass er nicht ab und zu den Drang verspürt, gut zu sein und Gutes zu tun, sogar Ganoven verspüren ihn. Aber leider wird das Gute häufiger gepriesen als getan. Es reicht jedoch nicht aus, das Gute zu wollen. Beteuerungen sind wertlos, wenn ihnen keine Taten folgen; denn es gibt - wie Erich Kästner treffend formuliert - nichts Gutes, außer man tut es. Mancher schafft es nur, wenn man ihm einen Bewährungshelfer zur Seite stellt. Die meisten sind dazu nur in der Lage unter großem Kraftaufwand und zeigen sich erst hilfsbereit, wenn kein Ausweg bleibt: in Notsituationen und bei Katastrophen. Und viele brauchen, um gut zu sein, ein Milieu, das ihm gut zuredet. Es gab Zeiten, da hatten die Menschen viel zu viel Moral für zu wenige Gelegenheiten. Heute müssen, weil sie für zu viele Gelegenheiten oft zu wenig Moral haben, Verbotsschilder, Polizeieinsätze, Geldbußen und Gesetze das Fehlverhalten verhindern. Gut ist der Mensch jedoch erst dann, wenn er auch gegen Widerstände Gutes tut und bereit ist, dafür Nachteile hinzunehmen. Leider, klagt Max Frisch, sei die ganze Erziehung auf das Anständig-Sein ausgerichtet, aber nicht dahin, für das Gute zu kämpfen, -und das ist weit mehr.

Walter Rupp SJ / unveröffentlichter Text


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