Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Ulrike Wischer Gedanken zum Tag

"Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst". Dieser Satz hängt seit zwei Jahrzehnten als Kalligraphie in meinem Büro.

Stand: 16.05.2019

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

16 Mai

Donnerstag, 16. Mai 2019

"Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst". Dieser Satz hängt seit zwei Jahrzehnten als Kalligraphie in meinem Büro. Ein Koch aus einem China-Restaurant hatte ihn mir 1993 übersetzt und mit schwarzer Tusche auf weißes Reispapier gemalt. Dieser Satz war mir damals irgendwie "in den Sinn gekommen", gefiel mir, brachte etwas in mir zum Klingen - aber verstanden, wirklich verstanden habe ich ihn nicht. "Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst". Die Erkenntnis reifte in mir in den vergangenen zwanzig Jahren, nachdem ich als junge Frau trotz der Diagnose einer unheilbaren Krankheit weiterleben wollte. Nach der Therapie begann nicht nur mein Weg zurück ins normale Leben, es begann auch meine Suche nach "mehr" und dem Sinn in und von diesem Leben. "Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst". Diese Wahrheit ist einfach und doch nur schwer zu leben. Die Zen-Meditation war es, die mein Herz bei meiner Suche am stärksten berührte. Die Klarheit, das Schlichte, das sich durch die Achtsamkeit offenbart, bewegt mich noch immer. Und es ist die Möglichkeit, meinen eigenen Weg zu gehen, meiner "inneren Stimme" zu folgen, frei von Religion, Philosophie und anderen Konzepten, die mich Zen leben lässt. Zen ist deshalb keine Religion, keine Lebensphilosophie, kein Konzept, weil Zen das Gewahrsein, die achtsame Wahrnehmung jedes Augenblicks des Lebens ist.

Entnommen aus: Ulrike Wischer "Das stille Glück, zu Hause zu sein. Mit Zen das Leben im Alltag finden", Herder Verlag, Freiburg 2013


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