Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Artur Worseg Gedanken zum Tag

Wie klingt es, dass ich meinen Verwandten und Freunden, allen meinen Lieben, von Schönheitsoperationen eher abraten würde, weil wir bessere Wege haben, unser Äußeres zu akzeptieren? Darf ein Schönheitschirurg so etwas sagen?

Stand: 11.05.2019

11 Mai

Samstag, 11. Mai 2019

Wie klingt es (…), dass ich meinen Verwandten und Freunden, allen meinen Lieben, von Schönheitsoperationen eher abraten würde, weil wir bessere Wege haben, unser Äußeres zu akzeptieren? (…) Darf ein Schönheitschirurg so etwas sagen? Ich glaube schon, und ich habe gute Gründe dafür (…). Denn an Stärke wachsende gesellschaftliche Strömungen setzen immer mehr Menschen in ein Missverhältnis zu ihrem Äußeren und machen sie damit unglücklich. Die zunehmende Beschleunigung unserer Welt erzwingt Oberflächlichkeit und konfrontiert uns stärker denn je mit unserem Äußeren. Permanenter Frust und ständige Unzufriedenheit sind die Folgen. Da wären die Entwicklungen hin zum Narzissmus und zum Egoismus, die den Schein immer stärker über das Sein stellen. (…) Da wären der Normierungsdruck und die Steuerung der Wunschvorstellung von unserem Äußeren durch die Medien. Beides verstärkt sich gerade durch den Selfie-Boom, der uns vergleichbar wie nie zuvor macht und uns nachdrücklicher denn je vor die Herausforderung, dem unaufhörlichen Geschnatter der anderen keine Angriffsfläche durch Besonderheit zu bieten, stellt. Da wäre auch die schwindende Fähigkeit dieser auf Jugendlichkeit ausgerichteten Gesellschaft, mit den bei richtiger Betrachtung immer auch schönen Begleiterscheinungen des Alterns fertigzuwerden.

Entnommen aus: Dr. Artur Worseg "Deine Nase kann nichts dafür. Wie wir uns vor dem Schönheitswahn retten", edition a Verlag, Wien 2019


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