Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Jeremias Schröder Gedanken zur Osterzeit

In einem afrikanischen Schwesternkloster habe ich vor ein paar Jahren ein Bild Nelson Mandelas entdeckt. Nicht an einer Zimmerwand, sondern schön aufgestellt in der Kapelle, gleich neben dem Tabernakel.

Stand: 27.04.2019

27 April

Samstag, 27. April 2019

In einem afrikanischen Schwesternkloster habe ich vor ein paar Jahren ein Bild Nelson Mandelas entdeckt. Nicht an einer Zimmerwand, sondern schön aufgestellt in der Kapelle, gleich neben dem Tabernakel. Für die Schwestern dort gehörte Madiba, wie er mit seinem Kosenamen in Afrika meistens genannt wird, ganz klar zu den Heiligen unserer Zeit. Mandela war während seiner fast dreißigjährigen Haft vom Helden zu einem Heiligen geworden: er hatte begriffen, dass die Diktatur auch den versklavt, der anderen die Freiheit nimmt. Nach seiner Freilassung wurde er so nicht nur zum Befreier der unterdrückten Schwarzen Südafrikas. Er befreite auch die Unterdrücker aus der Logik der Gewalt und konnte dadurch das Land versöhnen. Sein Lebenswerk gipfelte in den ersten freien Wahlen in Südafrika, die heute vor 25 Jahren stattfanden. Da ist zwar seitdem nicht alles gut gelaufen. Aber die Erinnerung an den Friedensbringer und Versöhner ist bis heute sehr lebendig, auch bei den Schwestern in Tansania, die sich offensichtlich keine Gedanken über Konfessionszugehörigkeit oder kirchenamtliche Genehmigungsverfahren gemacht haben.

Abtpräses Jeremias Schröder / unveröffentlichter Text


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