Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Jeremias Schröder Gedanken zur Osterzeit

Dieses erste Wochenende nach Ostern endet mit dem Weißen Sonntag, der seinen Namen vom Taufkleid hat. Das trugen die neuen Christen früher eine Woche lang - von der Taufe an Ostern bis zum folgenden Sonntag.

Stand: 26.04.2019

26 April

Freitag, 26. April 2019

Dieses erste Wochenende nach Ostern endet mit dem Weißen Sonntag, der seinen Namen vom Taufkleid hat. Das trugen die neuen Christen früher eine Woche lang - von der Taufe an Ostern bis zum folgenden Sonntag. Die Taufe ist ja der Akt der Sündenvergebung schlechthin - und bei Erwachsenen war da vielleicht schon einiges zusammengekommen, das es zu vergeben gab. Wir sind ja, wenn überhaupt, zumeist die Kindertaufe gewöhnt. Das hat ganz gute Gründe, aber es ist auch schade. Denn da geschieht etwas eminent Wichtiges, dass einem Kleinkind noch gar nicht recht klar sein kann. Inzwischen kommt es häufiger wieder zu Erwachsenentaufen, aber selbst bei denen wird das Eintauchen ins Taufwasser nur symbolisch vollzogen: während der Priester die uralten Taufworte spricht - Ich taufe Dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes - gießt er ein paar Spritzer des gesegneten Wassers über den Täufling. Ursprünglich war das viel sinnlicher - der ganze Mensch wurde untergetaucht. Das Untertauchen war nicht nur eine symbolische Waschung. Es meint auch ein Untergehen, eine Andeutung des Sterbens, eine Nachahmung des Kreuzestodes. Und das Wiederauftauchen ist eine Auferstehung, zu einem Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Wir sind sehr zivilisiert geworden, und die starken Zeichen wurden gezähmt, manchmal vielleicht allzu sehr. Wer eine Kirche besucht und das Taufbecken sieht, darf sich ruhig daran erinnern, dass hier ein Ort des symbolischen Todes und der Osterauferstehung ist.

Abtpräses Jeremias Schröder / unveröffentlichter Text


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