Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Jeremias Schröder Gedanken zur Osterzeit

In den großen Tempeln Koreas gibt es vor dem Abendgebet ein eindrucksvolles Spektakel: buddhistische Mönche besteigen die Glockenplattform und schlagen nacheinander die große mit Fell bespannte Trommel.

Stand: 29.04.2019

24 April

Mittwoch, 24. April 2019

In den großen Tempeln Koreas gibt es vor dem Abendgebet ein eindrucksvolles Spektakel: buddhistische Mönche besteigen die Glockenplattform und schlagen nacheinander die große mit Fell bespannte Trommel, eine Metallplatte in Wolkenform, einen hölzernen Fisch und schließlich die große Bronzeglocke. So soll die Barmherzigkeit des Buddha allen Geschöpfen verkündet werden, auf dem Land, im Wasser und in der Luft. Unsere hiesigen Glocken rufen zum Gottesdienst zusammen. Beim Läuten am Morgen, Mittag und Abend erinnern sie außerdem an den Engel des Herrn, das heißt an die Begegnung Mariens mit dem Gottesboten, der ihr die Geburt Jesu verkündete. Dazu gibt es ein kleines Gebetsritual, das viele Katholiken noch kennen und manche dann still verrichten. Es durchbricht die Geschäftigkeit des Alltags und holt ins Bewusstsein zurück, dass Gott sich dieser Welt zuwendet. Das ist dem Gedanken der buddhistischen Mönche gar nicht so unähnlich. ( - ) Als irrig muss allerdings die Meinung zurückgewiesen werden, dass das Glockenläuten vor allem die erlaubte Verzehrzeit für Weißwürste markiert. Das ist ein ehrenwerter Brauch, aber kein göttliches Gesetz.

Abtpräses Jeremias Schröder / unveröffentlichter Text


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