Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Jeremias Schröder Gedanken zur Osterzeit

Die Fastenzeit ist seit ein paar Tagen vorbei, und auch die verschiedenen selbstauferlegten Fastenopfer sind an ihr Ende gekommen - bei manchen mit einer stolzen Erfüllungsquote, bei anderen mit einer etwas demütigeren Bilanz.

Stand: 23.04.2019

23 April

Dienstag, 23. April 2019

Die Fastenzeit ist seit ein paar Tagen vorbei, und auch die verschiedenen selbstauferlegten Fastenopfer sind an ihr Ende gekommen - bei manchen mit einer stolzen Erfüllungsquote, bei anderen möglicherweise mit einer etwas demütigeren Bilanz, die den einen oder anderen Lapsus beinhaltet. Auch das ist im Allgemeinen kein Unglück - Demut taugt als Ostervorbereitung mindestens so viel wie Stolz über die eigene heroische Tugend. Der bayerische Nationalphilosoph Gerhard Polt hat sich häufig mit Alkohol und gelegentlich mit Religion beschäftigt. Ich habe von ihm den Satz im Ohr: "Meine Religion erlaubt Alkohol nicht nur, sie stellt ihn sogar her." Auch da hat der Meister wieder einmal Recht. Nicht zuletzt die Klöster brüsten sich mit ihren jahrhundertealten Brauereien. Weihenstephan wirbt mit dem schönen Satz "die älteste Brauerei der Welt" - die erste Erwähnung des dortigen Bieres geht ja in die Benediktinerzeit des Berges zurück. Seit 200 Jahren wird zwar für den Staatssäckel gebraut, aber die geklaute Tradition wärmt doch manchem Biertrinker das Herz und stärkt das Bewusstsein, Teil einer uralten Tradition zu sein, die irgendwie sogar eine spirituelle Dimension hat. Das hierzulande mythisch verklärte Reinheitsgebot hat heute Geburtstag, und wir wünschen allen Biertrinkern - ob sie nun gefastet haben oder nicht - eine Prise Dankbarkeit für die Gaben der Schöpfung, und außerdem das rechte benediktinische Maß.

Abtpräses Jeremias Schröder / unveröffentlichter Text


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