Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Werner Küstenmacher Gedanken zur Passionszeit

Wenn Menschen zusammen eine Mahlzeit einnehmen, entwickelt der Hypothalamus, eine Region in unserem Gehirn, einen Stoff mit dem schönen Namen Oxytocin.

Stand: 18.04.2019

18 April

Donnerstag, 18. April 2019

Wenn Menschen zusammen eine Mahlzeit einnehmen, entwickelt der Hypothalamus, eine Region in unserem Gehirn, einen Stoff mit dem schönen Namen Oxytocin. Dieses Hormon reguliert den Blutdruck, macht Menschen ausgeglichener und ruhiger und stärkt ihr Gemeinschaftsgefühl. Kurzum, ein guter Stoff. So war es auch aus gehirnmedizinischer Sicht ein kluger Schachzug, ins Zentrum christlicher Gottesdienste ein gemeinsames Essen einzubauen, so wie Jesus es oft mit seinen Freunden, aber auch mit seinen Gegnern gehalten hat. Leider ist im Lauf der Jahrhunderte eine Mini-Mahlzeit daraus geworden, mit einem Bissen Brot und - manchmal - einem Schluck Wein. Aber die Grundidee war brillant. Ich erinnere mich an riesige Zusammenkünfte mit Baguette und Rotwein auf den Deutschen Evangelischen Kirchentagen Ende der 70er-Jahre. Feierabendmahl hieß das damals. Mit vielen Menschen gemeinsam essen, und zwar nicht nur einfach so, wie an der Pommesbude. Sondern sehr konzentriert, im Andenken an das letzte Passahmahl, das Jesus mit seinen Freunden in Jerusalem gefeiert hat, nur wenige Stunden vor seiner Hinrichtung. Heute vor 1.988 Jahren hat es stattgefunden. Auch wenn Jesus und seine Leute davon nichts wussten: Schon sie nutzten dabei die wohltuende Wirkung von Oxytocin.

Werner Küstenmacher / unveröffentlichter Text


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