Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Susanne Breit-Keßler Gedanken zur Passionszeit

Authentisch, das ist ein Modewort. "Stimmig" auch. Menschen sollen so sein. Stimmig und authentisch. Echt sein, ist das höchste der Gefühle.

Stand: 04.04.2019

04 April

Donnerstag, 04. April 2019

Authentisch, das ist ein Modewort. "Stimmig" auch. Menschen sollen so sein. Stimmig und authentisch. Echt sein, ist das höchste der Gefühle. Manchmal kriege ich einen Koller bei dem Gedanken, dass jeder und jede authentisch sein könnte. Um Himmels willen! Das würde bedeuten, dass Männer und Frauen sich immer so zeigen und verhalten, wie sie sich im Innersten befinden. Eben nicht nur freundlich, intelligent und hilfsbereit. Sondern gelegentlich auch ausgesprochen ekelhaft, gemein, grausam, strohdumm und vollkommen gleichgültig. Nein, authentisch sein, ist nicht notwendig. Ich kenne mich selbst gut genug, um mich dem Rest der Menschheit nicht ständig in ganzer Fülle zumuten zu wollen. Ich möchte auch nicht, dass andere mir gegenüber das tun. Aber ehrlich, aufrichtig leben - das ist etwas ganz Anderes. Das bedeutet nämlich, nicht sich selbst zum Zentrum des Handelns zu machen. Sondern sich zu orientieren an dem, was uns und anderen wirklich guttut. In der Bibel wird immer wieder neu beschrieben, dass und wie sehr Gott uns Menschen liebt. Er liebt uns, wie wir sind, aber wir sind nicht verdammt dazu, so zu bleiben. Wahrhaftig, ehrlich leben - das ist die Chance, der Mensch zu werden, als den uns Gott gedacht hat. Ein Menschenleben geht nicht auf in einer überzeugenden Selbstinszenierung. Die Herausforderung, der Anspruch besteht darin, redlich das zu tun, was diese Welt braucht: Mit sich selbst und anderen offen und achtsam zu sein. Sich selbst und andere zu respektieren - damit wir leben.

Susanne Breit-Keßler / unveröffentlichter Text


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