Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Max Kronawitter Gedanken zur Fastenzeit

Stellen Sie sich vor, sie besitzen einen Picasso. (...) Jahrelang hat das Bild ihr Wohnzimmer geziert, hat staunende Gäste neidisch gemacht. Doch dann die Katastrophe...

Stand: 08.04.2019

08 April

Montag, 08. April 2019

Stellen Sie sich vor, sie besitzen einen Picasso. Kein wandfüllendes Ölgemälde, sondern nur eine Zeichnung, aber immerhin. Jahrelang hat das Bild ihr Wohnzimmer geziert, hat staunende Gäste neidisch gemacht. Doch dann die Katastrophe: ein Kunstexperte hat ihnen versichert, dass es sich nie und nimmer um einen echten Picasso handelt. Der Verwandte, der ihnen das vermeintliche Meisterwerk vererbt hat, ist offenbar einem Fälscher auf den Leim gegangen. Wütend haben sie das Bild abgenommen und im Keller verstaut. Ist das nicht seltsam? Am Aussehen des Bildes hat sich nichts, aber auch gar nichts geändert. Und doch hat es aufgehört Freude zu machen, nur weil sich rausgestellt hat, dass der Zeichner ein anderer war. Das Beispiel zeigt, dass wir hinter den Dingen oft noch etwas mitschauen, das unsichtbar dazugehört. Verflüchtigt es sich, ändert sich der Wert, den etwas für uns hat. Das gilt für viele Bereiche. Selbst für Feste. Wer Ostern als Frühlingsfest mit zwei zusätzlichen Feiertagen betrachtet, der mag daran Gefallen finden. Zu etwas ganz Besonderem wird es demjenigen, der dahinter eine Verheißung erkennen kann: Ostern ist die Zusage, dass der Tod nicht das letzte ist. Wie Jesus, werden auch wir einmal zu neuem Leben erweckt, um in eine neue Dimension einzugehen. Allerdings: daran glauben muss man. All jenen zum Trotz, die den Nachweis führen wollen, dass die Ostergeschichte ein großes Märchen ist. Überzeugend gelungen ist das allerdings noch niemandem.

Max Kronawitter / unveröffentlichter Text


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