Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Maria-Anna Immerz Gedanken zur Fastenzeit

Auf die Titelseiten der Zeitungen war es gelangt: das Merkel-Motiv vom Kölner Rosenmontagszug. Aus goldenem Rahmen glitt ihr Schwarz-Weiß-Bild herab.

Stand: 26.03.2019

Gedanken zur Fastenzeit | Bild: picture-alliance/dpa

26 März

Dienstag, 26. März 2019

Auf die Titelseiten der Zeitungen war es gelangt: das Merkel-Motiv vom Kölner Rosenmontagszug. Aus goldenem Rahmen glitt ihr Schwarz-Weiß-Bild herab. Der untere Teil mit dem Schriftzug "Parteivorsitzende" war in Streifen geschreddert; der obere mit Gesicht und Titel "Kanzlerin" noch da, aber auch schon auf dem Weg zum Aktenvernichter. "Merkel schreddert sich selbst", kommentierten manche, in Anspielung auf eine Aktion des Künstlers Banksy mit einem seiner Bilder. Die Karnevalisten hatten am Wagen notiert: "Nichts bleibt, wie es war!" Guter Karneval birgt immer tiefen Ernst. Ein Mensch ist mehr als seine Rollen. Und wer meint, sich ein Bild vom anderen machen zu können, tut gut daran, das gelegentlich in den Abfall zu schmeißen. Fastenzeit lenkt uns auf solche Wahrheiten. Wir sind gehalten, "in uns" zu gehen: abzuklopfen, wo wir uns an Wunschbilder klammern und mühsam vor anderen die Fassade halten. Bilder, die nicht von innen gedeckt sind, müssen weg! Nach alter Tradition sind in Kirchen jetzt sogar Altarbilder verhüllt und alle Prunkkreuze. Man nimmt sich auch das gewohnte Bild von Gott. Um ihm neu begegnen zu können - vor allem seinem Blick auf die Menschen, der löst und Energien frei setzt und ganz neu zur Entfaltung bringen kann, wer wir wirklich sind. Es ist dieser göttliche Blick der Liebe.

Maria-Anna Immerz / unveröffentlichter Text


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