Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Hannah von Schroeders Gedanken zur Passionszeit

Die Kraft des Winters wird oft unterschätzt. Die Zeit ist ja doch so lang, in der scheinbar gar nichts passiert und alles begraben unter einer Schneedecke liegt. Irgendwann werden die Menschen ungeduldig.

Stand: 20.03.2019

Gedanken zur Passionszeit | Bild: picture-alliance/dpa

20 März

Mittwoch, 20. März 2019

Die Kraft des Winters wird oft unterschätzt. Die Zeit ist ja doch so lang, in der scheinbar gar nichts passiert und alles begraben unter einer Schneedecke liegt. Irgendwann werden die Menschen ungeduldig. Sie trotzen dem Winter mit den wildesten Karneval-Partys und Fastnachtsbräuchen, feiern draußen, als ob Sommer wäre, tun so, als wäre ihnen nicht kalt. Sie können es nicht mehr erwarten, wollen dem Frühling Beine machen. Dabei passiert unter der Erde bereits eine ganze Menge, auch wenn wir es nicht sehen. Denken wir nur an das Schneeglöckchen: In seiner unscheinbar unter der Erde liegenden kleinen Zwiebel speichert es so viel Energie, bis es plötzlich unvermutet als eine der ersten Blumen die Erde durchbricht und sogar den Schnee um sich herum zum Schmelzen bringt. Die Zeit davor war nötig. Reifen dauert. Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Warten kann kostbar sein! Einmal nicht wissen, was sein wird. Einmal im Geheimnisvollen und Ungewissen verharren, einmal auf Pause schalten, sich Zeit lassen, raus aus der Dauer-Aktivität! Aus einer solchen Ruhe heraus kann Vertrauen wachsen. Vertrauen in das, was kommen wird, bei aller Unsicherheit. Langen Atem braucht es dafür manchmal, es kann ein schmerzhafter Prozess sein, vielleicht muss ich mich von Altem verabschieden, damit Neues wachsen kann, damit nach dem langen dunklen Winter endlich das Frühlingswunder blühen kann!

Hannah von Schroeders / unveröffentlichter Text


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