Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Dietmar Rebmann Gedanken zur Fastenzeit

Sich alles offen halten bis zuletzt, das wird immer alltäglicher. Verbindliche Zusagen und deren Einhaltung sind nicht mehr selbstverständlich. Stattdessen möchten wir im Leben alles mitnehmen, was nur irgend geht.

Stand: 14.03.2019

Gedanken zur Fastenzeit | Bild: picture-alliance/dpa

14 März

Donnerstag, 14. März 2019

Sich alles offen halten bis zuletzt, das wird immer alltäglicher. Verbindliche Zusagen und deren Einhaltung sind nicht mehr selbstverständlich. Stattdessen möchten wir im Leben alles mitnehmen, was nur irgend geht. Und man kann sich ständig umentscheiden. Das ist heute im Zeitalter von Handy und Smartphone ja so leicht geworden wie nie. Da kann man noch im letzten Augenblick nachschauen, ob es nicht doch etwas Besseres gibt. Das aber hat Folgen. Was für einen selbst so bequem scheint, kann den Anderen tief verletzen, beispielsweise wenn man sein Kommen zugesagt hat und dann doch etwas anderes macht. Es wird kaum mehr möglich, etwas wirklich sicher zu planen. Dadurch geht Verbindlichkeit verloren und damit Vertrauen. Und ich meine: irgendwann ist man auch überfordert, denn man steht laufend vor der Entscheidung, welche der vielen Möglichkeiten, die gerade angeboten werden, man wählen soll. In der Bibel gibt es dazu einen markanten Satz von Jesus. Er sagt: "Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein. Alles andere ist vom Bösen." (Mt 5,37). Das kann übersetzt heißen: Wer sich bewusst entscheidet und das auch einhält, der ist selbstbestimmt und kein Spielball äußerer Umstände. Er bleibt Herr seiner selbst und das ist die beste Voraussetzung für seelische Gesundheit. Und wenn man die Absprachen mit anderen zuverlässig einhält, nennt man das: Verbindlichkeit. Da steckt das Wort Bindung drin. Ich bleibe in Verbindung mit den anderen und verliere mich nicht im Universum ewiger Diskussionschats. Ich finde: Das Leben ist zu wertvoll, als dass man es nur noch in den kalten Räumen der virtuellen Internetwelt verbringen sollte.

Dietmar Rebmann / unveröffentlichter Text


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