Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Johanna Haberer Gedanken zur Passionszeit

Woher kommt Vergebung? Der Staat, der kann nur sagen: irgendwann ist die Strafe abgesessen. Wann aber kommt der innere Richter und sagt: es ist genug. Deine Schuld ist Dir vergeben?

Stand: 08.03.2019

Gedanken zur Passionszeit | Bild: picture-alliance/dpa

08 März

Freitag, 08. März 2019

Ich schaue einfach gern Krimis im Fernsehen oder im Kino. Diese Krimis enden meistens mit der Überführung des Täters. Der Täter oder die Täterin ist geschnappt und die schwere Gefängnistüre schließt sich hinter der schuldigen Person. Was aber dann passiert, das bleibt verborgen. Diese große Arbeit, mit einer Tat und einer Schuld umzugehen, die öffentlich festgestellt ist und dann irgendwie innerlich verarbeitet werden muss. Wie kommt ein Mensch damit zurecht, dass er plötzlich hinter Gittern sitzt und ein von der Gesellschaft Gebrandmarkter ist. Wie kommt ein Mensch damit zurecht, dass sein Selbstbild mit einem Mal einem Fremdbild begegnet, das vor Gericht gezeichnet wird. Dieser Mensch begegnet vor Gericht lauter Menschen die über ihn Aussagen machen. Und dann kommt diese Zeit hinter Gittern, in denen der Gefangene mit der Schuld umgehen muss. Und all diese Fragen, die dann aufsteigen aus den trüben Ecken der Seele: Warum habe ich das getan, hätte ich mich anders verhalten können? Warum habe ich mich in eine solch ausweglose Situation gebracht? Und woher kommt Vergebung? Der Staat, der kann nur sagen: irgendwann ist die Strafe abgesessen. Wann aber kommt der innere Richter und sagt: es ist genug. Deine Schuld ist Dir vergeben? Versöhne Dich mit der Welt und Gott? Wann kommt dieser Moment?

Johanna Haberer / unveröffentlichter Text


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