Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Johanna Haberer Gedanken zum Aschermittwoch

Reue scheint uns heute etwas für eher masochistische Typen zu sein, die sich nicht von den alten Kirchenritualen emanzipiert haben. Das christliche Verständnis von Reue aber öffnet eine ganz andere Tür.

Stand: 06.03.2019

Gedanken zu Aschermittwoch | Bild: picture-alliance/dpa

06 März

Mittwoch, 06. März 2019

In manchen katholischen Gemeinden ist die Tradition des Aschekreuzes immer noch fest verankert. Der Pfarrer zeichnet die Menschen, die am Aschermittwoch zum Altar kommen mit einem Kreuz auf die Stirn. Die Asche erinnert daran, dass wir sterblich sind und unser Leben endlich. Und das Kreuz markiert drei Dinge: zu Beginn der Fastenzeit bedenken wir die Passion Christi über sieben Wochen bis Ostern, wir bedenken zugleich die unendlichen Passionen die Leiden der Menschen. Und wir bedenken unser eigenes kleines Leben und woran wir selbst leiden: Mangelnde Aufmerksamkeit? mangelnde Liebe? Krankheit? Schuld? Reue vielleicht? Die Fastenzeit oder wie man evangelisch sagt "Passionszeit" möchte eine Zeit der Reue sein. Reue: Ein sehr altes und scheinbar abgestandenes Wort. Wir assoziieren dazu die reuigen Sünder im Mittelalter, die sich selbst geißelten oder mit den Knien die Kirchentreppen hinaufrutschten. Das christliche Verständnis von Reue aber öffnet eine ganz andere Tür. Ich befrage mich selbst, was ich an anderen Menschen falsch gemacht habe und an mir selbst. Was ich so gern wieder gut machen würde. Etwas, was ich nicht ändern kann, wo mir selbst zu vergeben, ich aber lernen muss, damit sich eine Zukunft öffnet. Das ist die Arbeit der Reue: Sich selbst vergeben - mit Gottes Hilfe und neue Wege öffnen in die Zukunft.

Johanna Haberer / unveröffentlichter Text


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