Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Peter Wohlleben Gedanken zum Tag

Wenn es (…) beim Menschen eine Seele gibt, dann muss diese geradezu zwingend ebenfalls bei Tieren vorhanden sein. Warum? Weil sich die Frage stellt, ab wann Menschen in den Himmel kommen.

Stand: 05.03.2019

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

05 März

Dienstag, 05. März 2019

(…) Wenn es (…) beim Menschen eine Seele gibt, dann muss diese geradezu zwingend ebenfalls bei Tieren vorhanden sein. Warum? Weil sich die Frage stellt, ab wann Menschen in den Himmel kommen. Seit zweitausend Jahren? Seit viertausend Jahren? Oder seit es Menschen gibt? Das wären etwa zweihunderttausend Jahre. Doch wo ist die Trennung zu früheren Formen, zu unseren Vorgängern? Der Prozess ging ja nicht schlagartig, sondern schleichend vonstatten, kleine Veränderungen traten im Laufe der Evolution von Generation zu Generation auf. (…) Nein, eine scharfe Grenze gibt es nicht, und so kann man in dieser Reihe immer weiter zurückgehen, über die primitiveren Vorfahren, die Primaten, die ersten Säugetiere, die Saurier, Fische, Pflanzen, Bakterien. Wenn es keinen festen Zeitpunkt X gibt, ab dem Wesen der Art Homo sapiens hinzugerechnet werden können, dann gibt es auch keinen festen Zeitpunkt, ab dem eine Seele auftritt. Und wenn es eine höhere Gerechtigkeit in religiösem Sinne gibt, dann wird bei der Frage nach dem ewigen Leben wohl kaum eine scharfe Grenze zwischen zwei Generationen gezogen werden, bei der die Älteren außen vor bleiben und die Jüngeren Einlass finden. Ist es nicht eine schöne Vorstellung, dass im Himmel ein großes Getümmel an Tieren aller Art herrscht, die zwischen den unzähligen Menschen leben?

Entnommen aus: Peter Wohlleben "Das Seelenleben der Tiere. Liebe, Trauer, Mitgefühl - erstaunliche Einblicke in eine verborgene Welt", Ludwig Verlag, München 2016 (ebook)


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