Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Walter Rupp Gedanken zum Tag

Wir machen jedoch die Erfahrung, dass in jedem - auch wenn er sich taufen ließ - ein kleiner Heide steckt, der sich nicht vertreiben lässt und uns einredet, der Glaube sei ein Hindernis für die Entfaltung der Persönlichkeit.

Stand: 04.03.2019

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

04 März

Montag, 04. März 2019

Der Kirchenlehrer Tertullian vertrat die Ansicht, die menschliche Seele sei von Natur aus christlich, das Christliche in uns müsse nur zur Entfaltung gebracht werden. Wir machen jedoch die Erfahrung, dass in jedem - auch wenn er sich taufen ließ - ein kleiner Heide steckt, der sich nicht vertreiben lässt und uns einredet, der Glaube sei ein Hindernis für die Entfaltung der Persönlichkeit, weil er verbietet oder fordert, und so unsere Freiheit einschränkt. Wir sind deshalb versucht, die markierten Wege zu verlassen und einen bequemen Pfad zu gehen. Der Heide in uns redet uns auch ein, Gott, der die Welt vielleicht geschaffen habe, habe sich dann hinter die Milchstraße zurückgezogen, und führe dort ein Eigenleben. Diese Sicht, Gott sei weit weg, verführt dazu, den Kontakt mit Gott nicht zu suchen. Die Bibel beteuert das Gegenteil, dass Gott dem Menschen nahe ist und nahe bleibt, ja in uns lebt. - Der kleine Heide in uns souffliert uns auch, Gott sei stumm, er antworte auf Gebete nicht und lasse uns allein mit unseren Fragen. So verführt er uns, dass wir den Dialog mit Gott nicht suchen und ihm gegenüber verstummen. Aber Gott ist nicht stumm. Was er uns sagen wollte, hat er gesagt, es ist im Wort Gottes, in der Bibel festgehalten. Der Mensch kann nur eine lebendige Beziehung zu Gott haben, wenn er nicht verstummt.

Walter Rupp SJ / unveröffentlichter Text


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