Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Walter Rupp Gedanken zum Tag

Für viele ist das Gott-suchen ein Hobby. Und mancher erwartet, dass Gott den Menschen sucht und ihm endlich überzeugende Beweise für sein Dasein liefert.

Stand: 12.02.2019

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

12 Februar

Dienstag, 12. Februar 2019

Die Gottsucher unserer Zeit unterscheiden sich von denen der Vergangenheit beträchtlich. Sie suchen Gott nicht mehr auf den bisher begangenen Wegen: über die Katechismen, die Theologie, die Bibel und die Kirche, sondern auf merkwürdig verschlungenen Pfaden. Sie suchen nach dem Sinn des Lebens und kommen bei der Gottesfrage an. Für viele ist das Gott-suchen ein Hobby. Und mancher erwartet, dass Gott den Menschen sucht und ihm endlich überzeugende Beweise für sein Dasein liefert. Unsere Zeit hat vor allem zwei Typen von Gottsuchern hervorgebracht: die, die Gott außerhalb der Kirche, und die, die ihn im Fernen Osten oder in der Esoterik suchen. Die Wahrheitssuche gleicht im Zeitalter des Pluralismus einem Kaufhausbummel: man nimmt aus der Meinungsvielfalt von den Regalen mit, was eben gefällt. Oft das, was unter dem Angebot 'exotisch' aufliegt und oft die Restposten zu herabgesetzten Preisen. Das Gott-suchen gleicht weithin einer Schnäppchen-Jagd. Man erhascht, was preisgünstig zu haben ist. Man bricht eigentlich nicht auf, sondern lässt sich wie in einem Lokal nieder, um aus der Speisekarte nach seinem Gustus auszuwählen. Ja, man befriedigt aufkommende Hungergefühle in einer Schnell-Imbissstube, sozusagen im Vorübergehen.

Walter Rupp SJ / unveröffentlichter Text


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