Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Jacqueline Straub Gedanken zum Tag

Wir müssen als Kirche unsere Identität überdenken, neue Wege finden, wie man die Menschen, vor allem junge Menschen, anspricht, um ihnen den Glauben näherzubringen.

Stand: 07.02.2019

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

07 Februar

Donnerstag, 07. Februar 2019

Die christliche Kirche muss, wenn sie hierzulande überleben will, eine erfahrbare und erlebbare Kirche werden, die dem konkreten Leben Sinn und Orientierung gibt, eine Kirche, in der die Begegnung mit Gott hier und heute erfahrbar ist und die nicht auf ein Jenseits vertröstet. Gerade junge Menschen wollen ergriffen werden in dem, was sie tun. Sie wollen etwas erleben - auch wenn es um den Glauben geht. Es ist eine große Herausforderung für die Kirche, denn der Markt für Sinnangebote wird nicht kleiner. Wir müssen die Frage stellen: Was ist die Kernbotschaft des Christentums? Und wie verkünden wir sie? Denn ja, in der Kirche Europas herrscht eine Glaubenskrise. In meinem Umfeld gibt es nicht mehr viele Menschen, die wirklich so glauben, wie es die katholische Kirche in ihren Dogmen festgeschrieben hat. Wer eine Sehnsucht nach Spiritualität hat, bastelt sich seine Religion selbst zusammen. (…) Ich glaube, dass die Glaubenskrise in Kirche und Gesellschaft auch eine Chance ist. Wir müssen als Kirche unsere Identität überdenken, neue Wege finden, wie man die Menschen, vor allem junge Menschen, anspricht, um ihnen den Glauben näherzubringen. Wir müssen aktiv werden. Um anderen ein spirituelles Zuhause zu ermöglichen, müssen wir selbst das warme Nest verlassen. Die Kirche braucht Nestflucht-Christen!

Entnommen aus: Jacqueline Straub "Kickt die Kirche aus dem Koma. Eine junge Frau fordert Reformen jetzt", Patmos Verlag, Ostfildern 2018


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