Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Martin Boroson Gedanken zum Tag

Es war eines Morgens, bei meiner üblichen dreißigminütigen Meditation: Ich war fest entschlossen, ganz still zu sitzen, den Blick nach unten gerichtet, und zwar die ganzen dreißig Minuten lang. Doch an diesem speziellen Morgen fand ich einfach keine Ruhe.

Stand: 06.02.2019

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

06 Februar

Mittwoch, 06. Februar 2019

Es war eines Morgens, bei meiner üblichen dreißigminütigen Meditation: Ich war fest entschlossen, ganz still zu sitzen, den Blick nach unten gerichtet, und zwar die ganzen dreißig Minuten lang. Doch an diesem speziellen Morgen fand ich einfach keine Ruhe, meine Gedanken rasten nur so dahin, während die Zeit im Schneckentempo zu vergehen schien. Ich glaubte schon, ich hätte vergessen, den Wecker zu stellen, und würde nun stundenlang so dasitzen müssen. Jedenfalls fühlte es sich so an. Zu gern hätte ich auf die Uhr geschaut. Viele Male. Doch ich war fest entschlossen, still zu sitzen, und wollte dem Drang einfach nicht nachgeben. Und dann gab ich doch auf. Ich sah zur Uhr und stellte fest, ich hatte keineswegs vergessen, den Wecker zu stellen. Eine Minute hätte ich noch ausharren müssen. Das hieß, ich hatte neunundzwanzig Minuten darauf verschwendet, zu überlegen, ob nicht schon dreißig Minuten vergangen waren! (…) Von diesem Augenblick an veränderte sich mein Verhältnis zurzeit. (…) Ich fing an, auf eine ganz neue Weise zu meditieren: nicht einfach nur jeden Morgen dreißig Minuten auf meinem Meditationskissen sitzend, sondern für kurze Augenblicke über den ganzen Tag verteilt, ganz egal wo - in der Bahn, am Schreibtisch, im Fitnessstudio (…) Kurz gesagt: Ich begann, immer dann zu meditieren, wenn ich einen Moment Zeit hatte.

Entnommen aus: Martin Boroson "One moment meditation. Stille in einer hektischen Welt", Kamphausen Verlag, Bielefeld 2012


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