Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Gabriele Wohmann Gedanken zum Tag

"Wie kann, darf, sollte ein Mensch in unserer Zeit Christ sein?"

Stand: 29.01.2019

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

29 Januar

Dienstag, 29. Januar 2019

"Wie kann, darf, sollte ein Mensch in unserer Zeit Christ sein?" Zaudernd und zugleich pragmatisch duckt die Frage sich vor der prinzipiellen Entscheidung: Nehme ich das Geschenk an, das die Freiheit selber ist, den Glauben an Gott? Jedes zeitbezogene Zögern zwingt Gottes Zusage an den Menschen auf eine kläglich-bodenständige Plattform herunter, als handle es sich um eine Clubmitgliedschaft mit beliebiger Funktion. In geänderten Zeiten ändern sich zwar die Beziehungen des Menschen zu Gott - Gott aber ändert sich nicht. (…) Mit Gottes Treue könnte also nur des Menschen Vertrauen konkurrieren, unbehindert von aktuellen Unschlüssigkeiten. Trends unterworfen ist der Glaube nicht. Entweder - oder. Gab es etwa Zeiten, in denen Gott leichter verstanden werden konnte? Was ist speziell heute so fraglich an Christi Zusicherung: "In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden"? Das Lesen in der Bibel verhilft zu zahllosen Imperativen gegen die uns einwohnende Angst. Insofern müsste der unermessliche Nutzwert aufscheinen, ein Christ zu sein! Ein Christ ist jemand, in welcher Zeit auch immer, zunächst sich selber zuliebe. Denn Gott profitiert ja nicht von des Menschen Gläubigkeit, nicht er braucht uns, wir aber brauchen nichts dringender als ihn.

Entnommen aus: Gabriele Wohmann "Eine gewisse Zuversicht. Gedanken zum Diesseits, Jenseits und dem lieben Gott", Kreuz Verlag, Freiburg 2012


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