Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Hanne Tügel Gedanken zum Tag

Schalom, salam, pax, peace, paix, pace, Frieden heißt die Botschaft der Weltreligionen – doch zum Blutzoll der Menschheitsgeschichte haben Grausamkeiten aus religiösen Motiven wesentlich beigetragen, und sie tun es bis heute.

Stand: 14.01.2019

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

12 Januar

Samstag, 12. Januar 2019

Schalom, salam, pax, peace, paix, pace, Frieden heißt die Botschaft der Weltreligionen – doch zum Blutzoll der Menschheitsgeschichte haben Grausamkeiten aus religiösen Motiven wesentlich beigetragen, und sie tun es bis heute. Sind es die Glaubenslehren selbst, denen Gewalt als ewiger Schatten innewohnt? Sind es ihre Institutionen, sind es einzelne fehlgeleitete Gläubige? Haben gewalttätige Konflikte andere, weltliche Ursachen, die nur religiös „aufgeladen“ oder „übertüncht“ werden? Sind manche Glaubensgemeinschaften anfälliger als andere, was Hass und Rachsucht anbetrifft? Wer als Christ, Jude, Moslem, Buddhist oder Hindu so fragt, wird auf Skepsis in den eigenen Reihen stoßen. Der eigene Glaube ist etwas Feierliches, Absolutes, Heiliges. Er beruht auf ganz persönlichen Erfahrungen und gehört zum Kern der Identität. Die Beziehung Gott-Mensch aus dieser privaten Ebene zu lösen, die Religionen verallgemeinernd zu betrachten und ihre dunklen Seiten zu betonen, löst Abwehr aus: Kaum jemand will seine Grundwerte infrage stellen lassen durch die Taten von Spinnern und Fanatikern, die dieselben Werte im Mund führen, sie aber missbrauchen und verraten.

Entnommen aus: Hanne Tügel „Fanatismus. Wie gefährlich ist Religion?“, GEO eBook, Gruner + Jahr, Hamburg 2012


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