Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Anselm Schubert Gedanken zum Tag

In den ersten hundert Jahren feierten die Christen das Abendmahl mit den Speisen, die sie von zuhause mitbrachten, gemeinsam verzehrten und von denen sie Christus und den Armen opferten.

Stand: 05.01.2019

Gedanken zum Tag - Samstag | Bild: colourbox.com; Montage: BR

05 Januar

Samstag, 05. Januar 2019

In den ersten hundert Jahren feierten die Christen das Abendmahl mit den Speisen, die sie von zuhause mitbrachten, gemeinsam verzehrten und von denen sie Christus und den Armen opferten. Wie für ihre heidnische Umgebung war für sie das Symposion, das gemeinsame kultische Mahl, die wichtigste Form gelebter Religion. Ein solches Symposion ließ sich aber nur mit wenigen Gästen abhalten. Als die christlichen Gemeinden wuchsen, wurde das kultische Mahl zunehmend von dem gemeinsamen Essen unterschieden. Fleisch und Früchte, Obst und Käse blieben zuhause oder wurden in besonderen Gemeinschaftsmahlen verzehrt. Das "Herrenmahl" wurde zu einem hoch ritualisierten Kult, bei dem zunehmend nur noch Wein und Brot die Elemente bildeten. Seit dem vierten Jahrhundert wurden im oströmischen Reich (und seit dem neunten Jahrhundert auch im Westen) nicht mehr die von den Gläubigen mitgebrachten Gaben verzehrt, sondern Brot und Wein von den Klerikern gestellt und im Namen der Kirche gespendet. Aus dem Brot der Christen war ein Brot der Kirche geworden. Im Westen ging damit die Erfindung der Oblatenhostie einher, die mit dem ursprünglichen Brot nichts mehr zu tun hatte, sondern nur noch die Verkörperung seiner abstrakten Idee war.

Entnommen aus: Anselm Schubert "Gott essen. Eine kulinarische Geschichte des Abendmahls", (E-Book, Kap. 'Fleisch und Brot, Bier, Wein und Cola') C.H.Beck Verlag, München 2018


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