Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Werner Küstenmacher Gedanken zur Passionszeit

"Hurra, geschafft!" ruft der fidele Moderator vom Frühstücksradio, "endlich bald Wochenende!" Ich wundere mich immer wieder über diese schematische Wochenendfreude.

Stand: 09.03.2018

Gedanken zur Passionszeits | Bild: colourbox.com, Montage BR

09 März

Freitag, 09. März 2018

"Hurra, geschafft!" ruft der fidele Moderator vom Frühstücksradio, "endlich bald Wochenende!" Ich wundere mich immer wieder über diese schematische Wochenendfreude. Ist denn Arbeit soo schlimm, dass mir jeder Wildfremde ein "Frohes Wochenende!" zukrähen muss? Leider erlebe ich das oft: Menschen reden sich ihre Arbeit schlecht. Wer von seinem Job schwärmt oder begeistert über seinen Chef redet, gilt als Außenseiter. Was ist das für ein Leben, wenn von sieben Tagen nur die letzten zwei gut sind? Den Weltrekord in Sachen Unterschied zwischen Arbeit und Feiertag halten wohl die Juden. 39 Tätigkeiten haben sie definiert, die verboten sind am heiligen Sabbat, der heute, am Freitagabend, beginnt. Dazu gehört vor allem Feuer machen, inklusive allem, was irgendwie elektrisch ist. Also: weder Autofahren, Licht, Radio, Fernsehen, Internet noch Telefonieren. Was für uns übertrieben klingt, hat einen geistlichen Kern: Indem man regelmäßig auf das Allernormalste verzichtet, lernt man es in den restlichen sechs Tagen ganz besonders zu schätzen. Vielleicht eine Idee für den nächsten Sonntag in der Fastenzeit: Handy aus, zu Hause bleiben, nichts kochen, extrem einfach leben. Und dann die Erfahrung machen, die die Juden mit ihrem berühmten Humor beschreiben: Sie arbeiten deshalb so gern sechs Tage lang hart, sagen sie, weil es am Sabbat so langweilig ist.

Werner Küstenmacher / unveröffentlichter Text


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