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Klimaschutz Gartenerde: Geht es auch torffrei?

Torf ist super! Er ist strukturstabil, hat einen niedrigen pH-Wert, ist gut fürs Wurzelwachstum, durchlüftet den Boden, speichert Wasser und wird eigentlich von nahezu jeder Pflanze gut vertragen. Aber: Für Torf begehen wir Raubbau. An unseren Mooren. Der naheliegende Schluss: Verzicht auf Torf. Aber ist torffreie Erde auch gut?

Von: Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 26.06.2019

Blumenerde wird mit einer kleinen Gartenschaufel in einen weißen Blumentopf gefüllt | Bild: picture-alliance/dpa Themendienst

Wer im Baumarkt oder Gartencenter einen Sack voll Pflanzenerde kauft und einen Blick auf die Inhaltsstoffe wirft, wird vielleicht überrascht sein: Wo Erde drauf steht, ist vor allem Torf drin. Dabei ist es egal, ob es sich um hochpreisige Bioerde oder um die günstige Hausmarke des hiesigen Baumarktes handelt. In herkömmlichen Blumenerden stecken bis zu 95 Prozent Hochmoortorf. Wir kippen also mit der Blumenerde norddeutsche, finnische oder baltische Hochmoore in unsere Beete und Töpfe.

Im Erwerbsanbau beinahe unverzichtbar

Gärtnereien brauchen Erde, in der zum Beispiel nichts fremdaufgeht. Sonst müsste ohne Ende Unkraut gezupft werden. Nicht selten hausen in Torfersatzerden auch Trauermücken. Die Trauermückenlarven fressen die feinen Haarwurzeln an. Fressen sie zu viel davon, kann die Pflanze kein Wasser mehr aufnehmen kann.

Kompost und Terra Preta

Kompostkiste aus Holz | Bild: Karin Greiner zum Artikel Natürlich düngen Kompost ist der beste Dünger

Nutzen Sie in Ihrem Garten die Arbeitskraft der Bodenlebewesen und machen Sie Laub, Grasschnitt oder Gemüseabfälle zu Kompost. Der düngt nicht nur gut, sondern verbessert auch die Bodenstruktur und fördert das Bodenleben. [mehr]

Torffreie Erde wird beispielsweise auf Basis von Kompost, Holzfaser oder Rindenhumus hergestellt. Auch Kokosfasern kommen zum Einsatz. Doch umweltfreundlich sind sie hierzulande auch nicht, weil sie einen weiten Transportweg hinter sich haben. Holzhäcksel haben den Nachteil, dass sie Stickstoff abbauen, weshalb extrem mehr gedüngt werden muss. Torf dagegen verbraucht überhaupt keinen Stickstoff.

Im privaten Bereich geht es dagegen schon, gerade wenn man einen Garten hat. Dort findet sich bestimmt ein Plätzchen für einen Komposthaufen. Als Alternative zu Torf gilt auch Terra Preta, die schwarze, humus- und nährstoffreiche Wundererde aus dem Regenwald, die ohne Dünger, Pestizide und andere Zusätze auskommt. Mit ihrer Hilfe lässt sich sogar Humus aufbauen, wodurch wieder CO2 gebunden wird.

"Wenn man es schaffen würde, nur einen Zentimeter Humus weltweit aufzubauen, hätten wir kein Problem mehr mit CO2."

Anna Angermaier, Gärtnermeisterin

Gartenerde: Geht es auch torffrei?

Um Torf abzubauen und daraus Anzuchterde in kleinen schwarzen Plastiktöpfen, Tomatenerde fürs Gemüsebeet oder Graberde für Opas letzte Ruhestätte zu machen, werden Moore entwässert. Doch Moore sind die größten Kohlenstoffspeicher der Erde, denn sie bestehen aus Pflanzenresten, die beim Verwittern CO2 freigesetzt haben, das nun in den Mooren eingeschlossen ist.

Moore zu zerstören, schädigt das Klima

Wiedervernässung eines Niedermoors im Schwäbischen Donaumoos | Bild: Bayerisches Landesamt für Umwelt zur Bildergalerie mit Informationen Feuchtgebiete Moore als Klimaschützer

Bayern zählt zu den moorreichsten Bundesländern Deutschlands. Moore bieten nicht nur seltenen Pflanzen und Tieren einen geschützten Lebensraum. Die Feuchtgebiete sind auch wichtige CO2-Speicher. [mehr]

Obwohl Moore nur etwa drei Prozent der Landfläche einnehmen, enthalten sie dreißig Prozent des terrestrischen Kohlenstoffs. Damit ist in den Mooren doppelt so viel Kohlenstoff gebunden wie in sämtlichen Wäldern der Welt. Moore sind also wahre Klimaschützer. Intakte Moore wohlgemerkt.

Moore - das sind empfindliche Biotope, die mehrere tausend Jahre gebraucht haben, um sich zu entwickeln. Sie bieten zahlreichen spezialisierten Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. Kein Wunder also, dass es Klimaforscher beim Stichwort Torfabbau schaudert. Artenschützern ist der Torfabbau ebenfalls ein Gräuel, denn wo die lärmenden Torffräsen abgezogen sind, bleiben staubige Torfwüsten zurück. Die abgetorften Moore veröden für lange Zeit, wenn nicht sogar für immer.

Linktipps

Die Suche nach einem Torfersatz: Kokosfasern (DasErste)
www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/bund-eink:aufsfuehrer-fuer-torffreie-erden/
www.oekotest.de/bauen-wohnen/10-Torffreie-Blumenerden-im-Test_101185_1.html
www.gartengnom.net/erde-ohne-torf/


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