Bayern 2 - Breitengrad


12

Der Gazastreifen nach fünf Wochen Krieg Kein Strom, kein Wasser, keine Hoffnung

Fünf Wochen lang herrschte Krieg im Gazastreifen, erst aus der Luft und mit Artillerie vom Rand des Gazastreifens aus, ab dem 18. Juli mit Bodentruppen. Mit Beginn einer temporären Waffenruhe am 5. August zogen sich die israelischen Truppen an die Grenze zurück – fürs Erste.

Von: Bettina Marx

Stand: 15.08.2014

Sie hinterlassen im winzigen Gazastreifen Zerstörung und Verwüstung. Orte wie Kuzaa bei Khan Yunis, Beit Hanoun im Norden und Shajaiya im Osten wurden weitgehend zerstört, ganze Straßenzüge dem Erdboden gleichgemacht. Rund eine halbe Million Menschen wurden zu Flüchtlingen. Sie suchten Schutz in UN-Einrichtungen oder bei Freunden und Verwandten. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben mindestens 65.000 Menschen ihr Haus vollständig verloren, Hunderttausende kehren in beschädigte Häuser zurück.

"Die Zerstörung ist massiv, sie haben ganze Gebiete dem Erdboden gleichgemacht. Als Resultat dieser Angriffe haben wir nun eine halbe Million Flüchtlinge und es gibt keinen sicheren Hafen, wo sie hinkönnen. Sie haben alles zurückgelassen, sie haben sogar Teile ihrer Familien unter den Trümmern zurückgelassen, sie sind geflohen ohne irgendetwas anderes mitzunehmen als die Kinder in ihren Armen. Und das heißt nicht, dass sie irgendwo in Gaza Schutz gefunden hätten."

Raji Sourani , Anwalt und Menschenrechtsaktivist

Aktuelle Situation in Gaza – Eindrücke von Bettina Marx

400.000 traumatisierte Kinder

Beit Hanoun

Der Krieg hat auf israelischer Seite 67 Menschenleben gefordert – darunter drei Zivilisten. Im Gazastreifen starben mindestens 2.000 Menschen, darunter rund 450 Kinder. Weitere Leichen werden unter den Trümmern der Häuser vermutet. Das United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) geht davon aus, dass mindestens 400.000 Kinder psychosoziale Unterstützung brauchen, um ihre Kriegstraumata zu überwinden.

"Meistens haben wir Explosionsverletzungen, Schrapnell und Verbrennungen. Besonders schockierend ist der hohe Prozentsatz an Kindern, die verletzt werden. Sie machen einen großen Teil der Verletzten aus und viele haben den Rest ihrer Familie verloren.
Wir haben eine ganze Reihe von Kindern im Shifa-Krankenaus, die niemanden haben, der sie abholt, wenn sie sich erholt haben, denn sie sind die einzigen, die überlebt haben. Wenn Sie ein Kind haben, das acht Jahre alt ist und sein Augenlicht vollkommen verloren hat und durch den Krieg zur Vollwaise wurde, dann weiß ich nicht, wer sich um diese Kinder kümmern wird, ich habe keine Ahnung."

Ghassan Abu-Sitta, plastischer Chirurg im Gazastreifen

Kraftwerk zerstört - ein Jahr dauert die Wiederherstellung

Zerstörtes Krankenhaus

Auch die ohnehin schwach entwickelte Infrastruktur des Gazastreifens ist durch den Krieg schwer belastet. 10.000 Verletzte mussten in den Krankenhäusern behandelt werden.

"Nach Einschätzung der palästinensischen Wasserbehörde entsprechen 94,5 Prozent des Wassers, was der Ader entnommen wird, nicht den internationalen Standards. Der Aquifer verschlechtert sich viel schneller, als wir erwartet hatten. Ich denke daher, dass wir schon vor dem Jahr 2016 eine nicht mehr nutzbare Grundwasserader haben werden."

Rebhy El Sheikh, stellvertretender Vorsitzender der Palästinensischen Wasser-Behörde

Ruine in Beit Hanoun

Viele von ihnen tragen dauerhafte Schäden davon und werden auch in Zukunft Unterstützung und Betreuung benötigen. Sie haben das Gesundheitswesen an den Rand seiner Belastbarkeit gebracht. Die Stromversorgung ist so gut wie vollständig unterbrochen. Es wird mindestens ein Jahr dauern, bis das zerstörte Kraftwerk von Gaza wiederhergestellt und die Leitungen repariert sind. Infolgedessen steht auch die Wasserversorgung kurz vor dem Kollaps.

Breitengrad – die Auslandsreportage

Kein Strom, kein Wasser, keine Hoffnung  - der Gazastreifen nach fünf Wochen Krieg

Reportage an
Mariä Himmelfahrt, 15. August 2014, 13.05 Uhr

Autorin: Bettina Marx
Redaktion: Christina Teuthorn Mohr


12