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Politische Wechselbäder für die Landwirte Biogasanlagen - noch zeitgemäß?

Einst hieß es, Biogasanlagen könnten, intelligent vernetzt, rund um die Uhr bei jedem Wetter regenerative Energie liefern. Der Staat förderte denn auch auf Teufel komm' raus. Heute erkennen die Bauern, dass die Politik bei Biogas inzwischen kräftig auf die Bremse gestiegen ist.

Von: Ulrich Detsch, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 18.06.2019

Es sind heftige politische Wechselbäder für die Landwirte. Nach jahrelanger Turbosubvention, hochfliegenden Plänen nach dem Reaktorunglück in Fukushima und dem Atomausstieg in einem "Bayernplan" müssen die Bauern zusehen, wie die Politik bei Biogas bildlich gesprochen inzwischen nicht nur vom Vollgas, sondern kräftig auf die Bremse gestiegen ist - jedenfalls bei der finanziellen Förderung.

Als Anfang der 1980er Jahre die ersten Bauern anfingen, ihre Gülle zu vergären, wollten sie eigentlich nur deren Geruch mindern und die Düngequalität steigern. Aber recht schnell schnurrten auf Bauernhöfen die ersten Biogasmotoren und produzieren Strom und Wärme.

Von der "Furzidee" zum Biogas-Boom

Auf 20 Jahre garantiert: Sebastian Völkel bekommt seit 2011 rund 22 Cent für jede ins Netz gelieferte Kilowattstunde Strom.

Anfangs von den Landwirtskollegen verspottet ernteten die Biogas-Pioniere in den 1990er Jahren bereits den Neid ihrer Berufskollegen. Die Biogastechnologie funktionierte und sicherte gesetzlich garantierte Einnahmen. Diese Preisgarantie sorgte nach der Jahrtausendwende für einen regelrechten Biogasboom - vor allem in Bayern. Schnell galten Biogasanlagen als eine Art Gelddruckmaschine für Bauern. Also steigerten sie die Leistung, bauten immer größere Anlagen bis in den Megawatt-Bereich und füttern die Biogasbakterien auch immer intensiver: mit Getreide, mit Bioabfällen, aber hauptsächlich mit Mais.

Preisgarantie löste Biogasboom aus

Schließlich steigen aber auch Investoren ein, die selbst gar kein Vieh und Land besitzen. Sie kaufen Biomasse, Landwirte werden Energielieferanten, erhalten dafür oft mehr Geld als für Viehfutter oder Brotgetreide. Rings um Biogasanlagen steigen die Pachtpreise. Die winzigen Methanbakterien werden lukrativer als Milchkühe.

"Das Verhältnis ist krass. Wenn ich sehe, wie schnell ich meinen Kredit für die Biogasanlage abbezahle, und wenn ich sehe, wie Milchbauern einen Stall über 30 Jahre hinweg abbezahlen ohne Planungssicherheit, das Verhältnis von Arbeit und Ertrag ist bei Biogas viel besser."

Sebastian Völkel, Landwirt

Die Preise brechen ein

Ab 2014 sinkt die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung jedoch deutlich. Seitdem werden kleinere Anlagen mit hohem Mist- oder Gülleanteil besser entlohnt als große Anlagen. Belohnt wird auch die flexible Einspeisung ins Netz, also Biogas speichern und dann einspeisen, wenn Sonne und Wind nicht genug Strom liefern. Einen finanziellen Bonus gibt es für die Wärmenutzung, also etwa für das Heizen umliegender Gebäude über unterirdische Leitungen.

Die große Schwäche der meisten Biogasanlagen ist: alle produzieren gleichzeitig Strom und Wärme, nutzen meist aber nur oder hauptsächlich den Strom. Die zweite große Schwäche: vor allem große Biogasanlagen transportieren Biomasse, hauptsächlich aus Mais, über weite Entfernungen mit hohem Energieaufwand herbei.

Die Zeit garantierter Traumrenditen ist vorbei

Im Moment wagt kaum noch ein Landwirt eine Investition in Biogas. Zu unsicher sind die Einnahmen. Inzwischen werden Stromlieferungen ins Netz öffentlich ausgeschrieben, und Biogasanlagenbetreiber können sich mit einem Preisangebot bewerben. Seit 2014 ist die Zeit garantierter Traumrenditen vorbei.

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