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Fünf Hörtipps Diese Podcasts sollten Sie anhören, wenn Sie Rassismus besser verstehen wollen

Deutschland diskutiert gerade viel über Rassismus. Wer davon nicht direkt betroffen ist, fragt sich vielleicht: Wie mitreden über so ein wichtiges Thema? Bayern 2-Autorin Jasmin Körber legt Ihnen fünf Podcasts ans Herz, die erste Denkanstöße liefern.

Von: Jasmin Körber

Stand: 12.06.2020

07.06.2020, Großbritannien, Bristol: Ein Demonstrantin trägt einen Stoffmaske mit dem Aufdruck «#BLM» bei einem Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt in College Green. Weltweit drücken Menschen ihre Solidarität nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd durch einen weißen Polizisten am 25. Mai in der US-Stadt Minneapolis aus. Foto: Ben Birchall/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Ben Birchall

Deutschland diskutiert gerade viel über Rassismus. Was mir dabei zu kurz kommt: die Erkenntnis, dass Rassismus nicht erst beim Rechtsradikalismus anfängt. Er ist in unseren Institutionen und in jedem und jeder von uns unterschiedlich stark verankert. Weiße Menschen müssen deshalb anfangen, Rassismus nicht nur als das Problem von anderen zu begreifen und die Privilegien, die das Weiß-Sein mit sich bringt, reflektieren. Ich möchte Ihnen deshalb fünf Podcasts ans Herz legen, die dafür erste Diskussions- und Denkanstöße liefern können.

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1. "1619": Warum "Schwarz" kein Faschingskostüm ist

"1619" befasst sich mit der Geschichte der Sklaverei in den USA und zeigt auf, wie sehr das komplette System dort immer noch auf diesen Grundfesten ruht. Jede Folge ist hörenswert, ganz besonders möchte ich aber die dritte Folge "The Birth of American Music" empfehlen, weil hier die Ursprünge des sogenannten "Blackfacings" sehr gut erklärt werden. Wer immer noch findet, dass es okay ist, sich an Fasching das Gesicht dunkel anzumalen, sollte diesen Podcast hören.

Länge: 6 Folgen à ca. 40 Min.

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2. "Alles Gesagt" mit Alice Hasters: Anleitung zum Weiß-Sein

Fünf Podcasts über Rassismus - Titelbilder | Bild: br/dpa

Im Podcast "Alles Gesagt" dürfen die Gäste selbst bestimmen, wann das Gespräch endet. Die Folge mit der Journalistin Alice Hasters dauert sechseinhalb Stunden. Es gibt also offensichtlich viel zu besprechen zum Thema Rassismus und weiße Privilegien, und das, obwohl die Folge schon vor der Ermordung des US-Amerikaners George Floyds aufgenommen wurde. Alice Hasters erklärt in dem Gespräch Begriffe wie BIPOC, liefert Grundlagenwissen und zeigt sowieso unfassbar viel Geduld für die Nachfagen von Christoph Amend und Jochen Wegner. Alles in allem ein guter Einstieg in die Thematik. Wer danach noch tiefer einsteigen möchte, der kann im Anschluss auch Hasters eigenen Podcast "Feuer und Brot" weiterhören.

Länge: 6,5 Stunden

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3. Tupodcast: Mund zu, Ohren auf!

Tupoka Ogette ist Anti-Rassismustrainerin, Aktivistin und Autorin des Buchs "Exit Racism". In ihrem Podcast lädt sie jede Folge schwarze Frauen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft ein: Journalistinnen, Studentinnen, Politikerinnen, Musikerinnen. Gemeinsam sprechen sie über ihr Leben und Über-Leben in Deutschland, über Strategien des Widerstands gegen ein rassistisches System, aber auch einfach über schwarze Lebensrealitäten in Deutschland. Wer als weiße Person gegen Rassismus eintreten möchte, der sollte im ersten Schritt erstmal zuhören und lernen. Und das geht mit diesem Podcast ganz hervorragend.

Länge: ca. 60 Min.

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4. Oury Jalloh und die Toten des Polizeireviers Dessau

7. Januar 2005: Der Asylbewerber Oury Jalloh wird in Dessau von der Polizei aufgegriffen. Einige Stunden später ist er tot, verbrannt in seiner Zelle. Die Polizei behauptet damals, er hätte sich selbst im betrunkenen Zustand angezündet. Hartnäckige Recherchen zeigen aber: Das kann so nicht passiert sein. Oury Jalloh muss von anderen angezündet worden sein - tot oder noch lebendig. Ich kann nach dem Hören dieser Podcastserie nur sagen: Jeder, der immer noch glaubt, dass Deutschland in Sachen Polizeigewalt und Rassismus besser abschneidet als die USA, muss diesen Podcast hören.

Länge: 5 Folgen à 30 Min.

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5. "IN THE DARK" - SEASON 2: Im Kampf gegen das Justizsystem - und weiße Ignoranz

Dieser Podcast erzählt den Fall des schwarzen US-Amerikaners Curtis Flowers, der in Winona, Mississippi wegen Mordes angeklagt wurde. Es gibt berechtigte Zweifel daran, dass er den Mord auch wirklich begangen hat. Trotzdem wird er verurteilt, von einer ausschließlich weißen Jury. Das ist rassistische Diskriminierung und eigentlich illegal - aber interessanterweise zeigt sich im Verlaufe des Podcasts auch, dass dem weißen Teil der Bevölkerung in Winona das Bewusstsein dafür größtenteils fehlt.

Länge: 18 Folgen á ca. 45 Min.

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