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Comic-Favorit "Das Goldene Zeitalter" von Moreil und Pedrosa

Er ist ein Philosoph unter den Comic-Künstlern. Seine aufwändig gezeichneten Bücher berühren immer wieder existentielle Themen: die Endlichkeit des Lebens und die Angst vor dem Tod, das Wesen der Kunst und anderes mehr: der portugiesisch-französische Zeichner Cyril Predrosa. Sein jüngstes Projekt heißt "Das Goldene Zeitalter". Die Geschichte führt in das späte Mittelalter und zugleich in eine phantastische Welt. Und sie stellt die große Frage, wie wir leben wollen.

Von: Niels Beintker

Stand: 10.09.2019

Buchcover: Roxanne Moreil und Cyril Pedrosa, "Das goldenen Zeitalter" | Bild: Reprodukt; Montage BR

Der Kontrast ist stark: Ein dichter Wald, filigran und in leuchtenden Farben gezeichnet. Gelb, orange, rot. Und doch ist die Welt, von der Roxanne Moreil und Cyril Pedrosa in ihrer großen Graphic Novel erzählen, alles andere als farbenfroh. Sie ist düster.

Chaos und Gewalt am Königshof

Ein Mann, der eine tote Hirschkuh entdeckt und ihr Herz für das Essen entwendet, wird brutal bestraft. Und das ist nur ein Auftakt, eine traurige Nebenszene. Das Land gerät durch eine folgenschwere Intrige am Königshof völlig aus den Fugen. Tilda, als Tochter des verstorbenen Herrschers rechtmäßige Anwärterin auf den Thron, wird um ihr Erbe gebracht und vertrieben. Chaos und Gewalt sind die Folgen.

Tilda steht im Mittelpunkt des Comics "Das Goldene Zeitalter". Sie muss um das ihr zustehende Erbe kämpfen, gegen eine Übermacht, angeführt von ihrer Mutter und ihrem Bruder. Und sie hat nur wenige Menschen an ihrer Seite, zwei Ritter und einen betagten Fürsten.

Hauptfigur Tilda: entschlossen - und unsicher

Cyril Pedrosa hat Tilda mit zarten Strichen gezeichnet, ein junges Mädchen, die Augen groß, der Blick oft fragend, die langen Haare zum Knoten gebunden. Sie wirkt einerseits entschlossen, andererseits immer wieder auch unsicher. Und sie verfügt über eine besondere Gabe. Immer wieder hat sie Visionen. Die entsprechenden Bilder sind ausdrucksstark.

"Tilda sollte keine Figur sein, die - geleitet vom Schicksal - von außen kommt und alle Probleme lösen kann. Es geht uns ja um wichtige politische Themen unserer eigenen Gegenwart. Als musste Tilda weitaus differenzierter gestaltet werden, als das den gängigen Mustern einer Fantasy-Erzählung entspricht. Insofern ist es ganz wichtig, dass sie nicht als strahlende Heldin durch unsere Geschichte spaziert. Sie wird von Zweifeln getrieben. Sie muss sich mit Macht und Korruption auseinandersetzen."

Cyril Pedrosa

Die philosophische Frage nach der Hoffnung

Roxanne Moreil und Cyril Pedrosa

Der Titel der Graphic Novel - "Das goldene Zeitalter" - verweist auf ein Buch gleichen Namens. Der alte Text ist ein utopischer Gesellschaftsentwurf und fordert unter anderem die Gleichheit von Frauen und Männern. Alsbald zeigt sich, dass sich der Traum von einer anderen, einer goldenen Zeit schwerlich verwirklichen lässt, jedenfalls nicht unter den Umständen einer ins Chaos gestürzten Gesellschaft.

Im Gegenteil: Die, die das zerrüttete Land in ein goldenes Zeitalter führen wollen, greifen selbst zu Gewalt. Man muss nicht, aber man kann darin eine Parallele zu den totalitären Gesellschaftsentwürfen der Moderne entdecken. Cyril Pedrosa sagt, die für ihn wichtigste Frage sei die nach der Hoffnung. Das wäre der philosophische Kern seiner Geschichte.

"Sind wir Menschen wirklich in der Lage, uns zu emanzipieren? Dürfen wir noch Hoffnung haben? Die Geschichte, von der unser Buch 'Das Goldene Zeitalter' erzählt, ist so gestaltet, dass es immer wieder Momente gibt, in denen alle Hoffnung verloren scheint. Auf den Aufstieg folgt der Fall. Also: Ist es möglich, die Hoffnung auf eine Emanzipation des Menschen zu bewahren? Und wie kann man sich diese Hoffnung bewahren, allen historischen Erfahrungen zum Trotz?"

Cyril Pedrosa

Gezeichnet unendlich fein, bis ins kleinste Detail

Cyril Pedrosa sucht für jedes seiner großen Comic-Bücher nach einer anderen Bildsprache. Für "Das Goldene Zeitalter" hat er sich von der Bilderwelt des späten Mittelalters inspirieren lassen. Pedrosa hat gänzlich ohne Schwarz gezeichnet. Stattdessen hat er mit Farben auf dunklem Grund gearbeitet, unendlich fein, bis ins kleinste Detail: eine großartige, ebenso intensive visuelle Gestaltung. Die Wahl der Farben erzeugt zudem einen ganz eigenen, markanten Rhythmus.

Aktuell entsteht der zweite Teil der großen Geschichte von Roxanne Moreil und Cyril Pedrosa. Der Comic-Zeichner verrät nur so viel: Dieser Band wird noch düsterer. Den ersten Teil des "Goldenen Zeitalters" vor Augen will man freilich unbedingt wissen, wie dieses Epos weitergehen wird.

Der zweite Band erscheint wohl 2020

Die Graphic Novel "Das Goldene Zeitalter" von Roxanne Moreil und Cyril Pedrosa ist - in der Übersetzung von Ulrich Pröfrock - im Reprodukt-Verlag erschienen. Der zweite und abschließende Band soll im kommenden Jahr fertig sein.


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