Bayern 2 - Bayern 2 am Samstagvormittag


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Königliche Wanderungen Auf dem Maximiliansweg von Unken nach Berchtesgaden

Sechs Wochen lang ist König Max II. zu Fuß durch die bayerischen Alpen und Tiroler Berge gewandert, vom Bodensee bis zum Königssee, 1858, also vor genau 160 Jahren. Heute ist diese Route als Maximiliansweg bekannt.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 28.07.2018

Maximiliansweg | Bild: Georg Bayerle, Montage: BR

Wer hier wandert, kommt immer wieder an Original-Schauplätzen vorbei, auch auf der letzten Etappe von den Loferer Steinbergen nach Berchtesgaden – eine wahrhaft königliche Wanderung, die auch dem Motto der diesjährigen Bayerischen Landesausstellung im Kloster Ettal gerecht wird: „Wald, Gebirg‘ und Königstraum - Mythos Bayern“.

Von den imposanten Loferer Steinbergen erreicht man über die Loferer Alm die tosende Schwarzenbergklamm, auch bekannt als Unkener Klamm, einst berühmt für die heikle und gefährliche Holztrift. Einer der Reisebeglieter von König Max II. notierte damals:

„Das unheimliche Rauschen des wilden Bergwassers, der spärlich von oben eindringende Lichtschimmer, alles vereinte sich, die Sinne zu betäuben.“

Von Unken geht es über den Jettenberg bis auf die Schwarzbachwacht

Von Unken geht es auf den Spuren der achtköpfigen königlichen Wandergruppe über den Jettenberg auf die Schwarzbachwacht. Fritz Rasp, der Tourismusdirektor von Ramsau, kennt den Maximiliansweg in dieser Region wie seine Westentasche. Eine Besonderheit ist der Taubensee – ein Karstsee, der von unterirdischen Quellen gespeist wird. Nun schwenkt die Route auf den Soleleitungsweg ein. Ein herlicher Panoramaweg, von dem aus der ganze Nationalpark Berchtesgaden zu überblicken ist – vom Höhen Göll über das Hagengebirge und Steinerne Meer bis zum Watzmann und zur Reiter Alm.

Auch Königin Marie war leidenschaftliche Bergsteigerin

Ein königliches Panorama für Seine Majestät König Max – und sozusagen das Salz in der Suppe, denn 1816 war innerhalb von zwei Jahren die hölzerne Soleleitung mit 358 Metern Steigung auf das Söldenköpfl hinauf und jenseits hinab nach Bad Reichenhall gebaut worden. Die Steigung war nur dank der kurz zuvor erfundenen Wasserhebemaschine möglich. Nachdem König Max das technische Meisterwerk der Soleleitung ausgiebig bewundert hat, führt sein Weg zum königlichen Forsthaus im heutigen Bergsteigerdorf Ramsau. Links vom Hochkalter-Massiv ragt der Watzmann auf. König trifft König. 1854 stand übrigens Königin Marie auf dem zweithöchsten Berg Deutschlands, war doch die Gattin von König Max ein blaublütiger Bergfex. Das Forsthaus in der Ramsau zu Füßen der Reiter-Alm und des Hochkalters hätte wohl auch ihr gefallen. Gleich neben dem Forsthaus befand sich damals die Malerherberge. Heute ist die ehemalige Malerherberge ein schmucker Gasthof. Damals gab es für die Künstler „Punschextrakt aus Düsseldorf“, heute kommen hungrige Wanderer mit deftigen Schmankerln wie einem ofenfrischen Schweinsbraten mit Semmelknödeln auf ihre Kosten.

Nach sechs Wochen endet die Wanderung

Am 27. Juli 1858 endet die Fußreise von König Max II. quer durch die bayerischen Berge in der königlichen Villa in Berchtesgaden - beim Tee. Doch was wäre eine solche Unternehmung gewesen ohne einen krönenden Jagdausflug am Königssee? Nach der Hirschjagd an der Eiskapelle wird im Forsthaus von Sankt Bartholomä diniert. Das Forsthaus war zugleich auch das königliche Fischhaus, verrät der Berchtesgadener Historiker Ulrich Ziegeltrum. Der klassische Königssee-Fisch ist noch immer der Saibling. Aus dem riesigen Fischbehälter konnten sich die hohen Herren den Fisch aussuchen, den sie später im königlichen Biedermeier-Speisezimmer verzehren wollten.

Zum Königssee hatte König Max II. übrigens eine ganz besondere Beziehung. Vom Schiffmeister wurden 140 Ruderer beschäftigt, darunter auch 40 Frauen. Eine von ihnen. die Schiffer-Kathi, soll so schön gewesen sein, dass sich der König in sie verliebt haben soll.  Fest steht jedenfalls, dass sie später vier außereheliche Kinder bekommen hat, und es wird gemunkelt, dass sie alle vom König gewesen sein sollen. Vielleicht ist vor diesem Hintergrund auch das süffisante Resümee von Friedrich von Bodenstedt über die königliche Alpen-Fußreise zu verstehen:

„Der Unterschied besteht nur darin, dass Eure Majestät auf dieser Reise sich menschlich und wir uns königlich amüsiert haben!“


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