Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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"Built in the Heart of Bavaria" Stromgitarren aus Franken

Es gibt Geschichten, die sich nur schwer erzählen lassen, weil sie weder einen richtigen Anfang noch ein richtiges Ende haben. Wo und wie soll man zum Beispiel mit der Geschichte der fränkischen Elektrogitarren und -Bässe beginnen? Etwa in der alten, böhmischen Geigen- und Gitarrenbauer-Stadt Schönbach? Oder in Erlangen, Tennenlohe, Möhrendorf, Bubenreuth, Hagenau oder Pretzfeld? Oder vielleicht in Markneukirchen, einem Ort im sogenannten sächsischen Musikwinkel?

Von: Ulrich Zwack

Stand: 20.04.2019 | Archiv

Paul McCartney und sein E-Bass aus Bubenreuth

Paul McCartney mit E-Bass von "Höfner"

Elektrogitarren und -bässe zählen seit den 1950er Jahren zu den wichtigsten Instrumenten der Unterhaltungsmusik. In der Oberliga werden grundsätzlich Instrumente aus Amerika gespielt, wie die "Gibson Les Paul" oder der "Fender Jazz Bass". Oder doch nicht? Den berühmtesten E-Bass aller Zeiten zupfte wohl Paul McCartney bei den Beatles. Doch dieses Instrument mit dem unverwechselbaren violinförmigen Korpus wurde nicht etwa in Übersee gefertigt, sondern von der Firma Höfner in Bubenreuth. Bill Wyman von den Rolling Stones spielte ebenfalls einen mittelfränkischen Bass, wenn auch ein Instrument des Konkurrenzunternehmens Framus - damals größter Gitarrenhersteller von ganz Europa, dessen Produkte auch John Lennon und George Harrison gern zur Hand nahmen.

Berühmte fränkische Gitarrenbauer

Was Mittenwald für den Geigenbau bedeutet, das bedeuteten Bubenreuth sowie einige Orte in der näheren Umgebung lange Zeit für den Bau elektrisch verstärkter Saiteninstrumente. Neben Höfner und Framus produzierten in Franken so angesehene Marken wie Hoyer, Glassl, Warwick oder Klira.

Klasse statt Masse

Musiker mit Bassgitarren aus Markneukirchen

Begründet wurde der fränkische Gitarren-Boom durch vertriebene Egerländer Geigenbauer aus Schönbach. Sie sattelten in der neuen Heimat auf Gitarre um und legten so den Grundstein für den Erfolg der Stromgitarren und –bässe "built in the Heart of Bavaria". Die fernöstliche Billigkonkurrenz aber stürzte die fränkischen Gitarrenbauer Ende der 1970er Jahre in eine existenzbedrohende Krise. Ein paar konnten sie allerdings meistern, indem sie konsequent auf Klasse statt auf Masse setzten. Dadurch gelang es ihnen, ihr hohes internationales Ansehen bis auf den heutigen Tag zu bewahren. - Ulrich Zwack begibt sich auf akustische Expedition in ein Franken unter Strom.


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