Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Senn und Sennerin Bayerische Berufungen und Instanzen

Justina Schreiber beschäftigt sich mit dem Berufsbild Senn und Sennerin. Bei ihren Besuchen auf der Laubensteinalm und der Alpe Hochried bei Immenstadt erlebte sie sowohl das perfekte Berg-Idyll als auch die harte Realität der täglichen Arbeit.

Von: Justina Schreiber

Stand: 02.06.2018 | Archiv

"Wenn i die Kiah in der Fria hol und siegh, wie d’Sunn aufasteigt und dann a die Gamsen am besten vorn no auf der Schneid san oder am Gipfel zum Sehgn san, das is herrlich, das is einfach schee. Und dann hat ma scho ein, zwei Stund gearbeitet, bis man dann einmal zum Frühstück kimmt, dann schmeckt das Frühstück so richtig guad mit einer frisch gemolkenen Milli zum Kaffee dazu, es ist wunderbar! Braucht man net recht viel mehra!"

(Sennerin Rosi, Laubensteinalm)

Alm-Impressionen

Letztes Reservat der Natur

Szenenfoto aus dem 70er-Jahre-Film "Geh zieh Dein Dirndl aus"

Die Kuhglocken bimmeln, der Enzian blüht. Dazu das 360-Grad-Panorama! Das kitschige Klischee schreckt niemanden ab: der Städter empfindet die Alm als letztes Reservat der Natur, als Paradies und Sinnstiftungsbiotop schlechthin - mag hinter der hübschen Heidi-Kulisse der alte Öhi im Stall auch Kraftfutter einsetzen. Hier oben, wo Mensch und Tier noch harmonisch zusammenleben, riecht die Luft seit alters nach Freiheit und archaischer Urwüchsigkeit. Hollereidulljöh!

Zwar stellten die Lederhosen-Erotikfilme der 1970er Jahre die Aktivitäten unverkrampfter junger Sennerinnen etwas einseitig dar. Aber dass die meist ledigen Dirndln, der sozialen Kontrolle des Dorfes entzogen, auf der Alm respektive Alp für mehr oder minder sündiges Treiben Zeit finden könnten, beflügelte auch die Phantasien von Sommerfrischlern und Heimatdichtern. Vielerorts schickte man deshalb lieber knorrige Sonderlinge zum Hüten, Käsen und Melken hinauf.

Heute dagegen werden die Almen Bayerns mehr und mehr von Quereinsteigern bewirtschaftet, die sich bei harter körperlicher Arbeit vom öden Büroleben im Flachland erholen - solange allerdings die Kühe nicht protestieren!

"Die wilde grausame Natur scheint heute domestiziert. In Jahrhunderte langen Prozessen deutete sie der Mensch für sich um und übermalte sie mit schönen Gefühlen. Aber die Alm, die Vermittlerin zwischen den Welten, zwischen oben und unten, zwischen drinnen und draußen, birgt immer noch ihre Gefahren."

(Justina Schreiber)

Buchtipp:

Martina Fischer, Sennerin und Autorin

Die Alm - Ein Ort für die Seele: Lebensweisheiten, Geschichten und Rezepte einer Sennerin

  • Autorin: Martina Fischer
  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Kailash (25. April 2016)
  • ISBN-10: 3424631183
  • ISBN-13: 978-3424631180


Die stille Abgeschiedenheit des Berges, fernab vom hektischen Alltag im Tal: Das sind die Sommer von Martina Fischer. Von Almauftrieb bis Almabtrieb übernimmt sie die harte Arbeit einer Almerin, melkt Kühe, macht Butter und Käse, mistet den Stall aus, füttert die Tiere. So lebt sie im ursprünglichen Rhythmus der Jahreszeiten, den Gewalten der Natur ausgeliefert.

Doch einsam wird es auf der Alm nie. Ein enges Verhältnis zu den Tieren erfüllt ihr Leben auf eine ganze neue Weise und auch an interessanten Besuchern mangelt es nicht. In diesem Buch will uns die inspirierend bodenständige Autorin an ihrem Alltag, ihren Gedanken und Einsichten aus dem Leben auf der Alm teilhaben lassen.


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