Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Rache an Revolutionären Wie die Aufständischen von 1918/19 bestraft wurden

Der 3. Mai vor 100 Jahren: Nach der Niederschlagung der Bayerischen Räterepublik landen zahlreiche Revolutionäre in der berüchtigten Haftanstalt Niederschönenfeld. Auch die Schriftsteller Ernst Toller und Erich Mühsam.

Von: Lisbeth Exner

Stand: 02.05.2019 | Archiv

Das beschauliche Dorf Niederschönenfeld verweist gerne auf seine im 13. Jahrhundert gegründete Zisterzienserinnen-Abtei. Dass in eben diesem Kloster seit 1880 jene Jugendstrafanstalt untergebracht war, die nach dem Ersten Weltkrieg für kurze Zeit zur berühmtesten Festungshaftanstalt Deutschlands avancierte, wird von der Tourismuswerbung nicht unbedingt hervorgehoben.

Parteipolitischer Zankapfel

Kurt Eisner und Gustav Landauer – beide ermordet. Ernst Toller und Erich Mühsam – beide zu Festungshaft verurteilt.

Nach der Niederschlagung der Bayerischen Räterepublik Anfang Mai 1919 wurden zahlreiche Revolutionäre von Stand- und Volksgerichten zu Festungshaft verurteilt. Und ab Herbst 1919 in Niederschönenfeld untergebracht. Zum parteipolitischen Zankapfel und medialen Ereignis wurde das bis dahin unbekannte schwäbische Dorf wegen zweier berühmter Häftlinge; die Schriftsteller Ernst Toller und Erich Mühsam protestierten mit zahlreichen amtlichen Eingaben und hinausgeschmuggelten Zeitungsberichten gegen die Schikanen von Gefängnisleitung und bayerischer Justiz.

Tagebücher aus der Haft

Demonstrationen während der Bayerischen Revolution.

Trotz kontinuierlicher Behinderung verfasste Toller während der Haft die umjubelten wie skandalumwitterten Theaterstücke „Die Maschinenstürmer” und „Hinkemann” sowie den Lyrikband „Das Schwalbenbuch”. - Trotz mehrerer Monate in Einzelhaft schrieb Mühsam Kampflieder sowie einen unvollendet gebliebenen Roman. Seine Tagebücher belegen auch, dass der Haftalltag zunehmend von Streitigkeiten zwischen den Gefangenen geprägt war. Es waren vor allem KPD-Anhänger, die mit ihren politischen Forderungen und persönlichen Intrigen für Unruhe sorgten.

Im Frühjahr 1925 kehrte in Niederschönenfeld Ruhe ein, die Festungshaftanstalt im Kloster wurde wieder zur Jugendvollzugsanstalt. Nur mehr autobiographische Texte von ehemaligen Häftlingen und journalistische Berichte sowie eine wahre Aktenflut, die Lisbeth Exner sichtete, erinnern an jene Jahre, in denen Niederschönenfeld Synonym für einen rachsüchtigen Strafvollzug war.


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