Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Das Metropoltheater Jochen Schölchs freie Bühne in Freimann

Christoph Krix und Hermann Scherm haben sich im Metropoltheater in Freimann umgesehen, das seit seiner Gründung im Jahr 1998 immer mehr Theaterfans aus München und dem Umland anzieht. 2015 wurde das "Metropol" zum besten Off-Theater im deutschsprachigen Raum gekürt.

Von: Christoph Krix und Hermann Scherm

Stand: 04.06.2016 | Archiv

Freimann am nördlichen Stadtrand von München. Kein Ort, an dem man viel Kultur vermuten würde. Ein Jugendzentrum und eine Außenstelle der VHS sind hier lange Zeit das Einzige, was als kulturelles Angebot durchgehen könnte. - 1998 allerdings ändert sich das. Eine Gruppe von Theaterleuten übernimmt die Räume des ehemaligen Alten Kinos Freimann (später Trixi Tonstudios) mit dem Ziel, eine eigene Spielstätte zu schaffen. In Freimann soll anspruchsvolles Erzähltheater auf die Bühne kommen.

"The Black Rider" von Tom Waits

Der Durchbruch kommt mit der ersten Inszenierung. Das Musical "The Black Rider" von Tom Waits wird von Publikum und Presse gefeiert. Seitdem sind die Produktionen des Metropoltheaters nicht nur bei den Münchner Theatergängern begehrt, auch aus dem Umland zieht das Theater immer mehr Zuschauer an. Ebenso erfreuen sich seine Gastspiele außerhalb der Landeshauptstadt wachsender Beliebtheit. Und entgegen der üblichen Kurzlebigkeit von Theaterproduktionen werden nicht wenige Metropol-Inszenierungen in regelmäßigen Abständen wiederaufgeführt. 

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Trailer THE BLACK RIDER - Metropoltheater München | Bild: Metropoltheater München (via YouTube)

Trailer THE BLACK RIDER - Metropoltheater München

Ariane Mnouchkines Stück zur aktuellen Flüchtlingsproblematik

"Die letzte Karawanserei" von Ariane Mnouchkine

Jochen Schölch, Intendant des Metropoltheaters in München Freimann, probt "Die letzte Karawanserei" von Ariane Mnouchkine. Eine deutsche Erstaufführung, und ein großes Stück. Für ein freies Theater wie das Metropol eine Herausforderung. Zehn Schauspieler in einer Vielzahl von Rollen, schnelle Wechsel von Kostümen, Schauplätzen und Situationen. Jochen Schölch und sein Ensemble haben sich eine Menge vorgenommen. Wird dieser Parforceritt gelingen?- Aber große Herausforderungen sind nichts Neues im Metropoltheater. Im Gegenteil, mit einem verwegenen Ziel hat alles angefangen, erinnert sich Werner Piloty, Architekt und Vorsitzender des Bezirksausschusses Schwabing-Freimann:

"Das war etwa 1997... kamen drei junge Herren zu uns in den Bezirksausschuss und sagten, sie wollen in Freimann im alten Kino ein Theater aufziehen. Wir waren natürlich höchst überrascht. Freimann hatte damals jedenfalls noch ein Image ... das geprägt war von Müllberg, Klärwerk, Autobahn, Lärm, Industrie, weit draußen. Dort draußen ein Theater aufzuziehen erschien uns ein zumindest sehr gewagter Gedanke. Wir haben gesagt, na ja, zu diesen jungen Theaterleuten, probiert es mal, wir unterstützen euch in jedem Fall vom BA. Damals ging es ja nur ideell. Wir hatten ja noch kein Geld. Und die Frage war natürlich für die Vermieter, das war so eine Erbengemeinschaft, ja kriegen wir denn unsere Miete vom Theater, wenn die Pleite machen. Und da haben wir dann mit den Erben gesprochen, haben gesagt, gebts doch den jungen Leuten ne Chance. ... Das waren jüngere Leute, die haben gesagt, gut, wir geben den Theaterleuten eine Chance. Ich muss selber sagen, ich hab nicht daran geglaubt, dass dieses Wunder von Freimann dann passiert."

(Werner Piloty)

Impressionen aus dem "Metropol"

Jochen Schölch

"Im Moment hat man das Gefühl, alles Innovative wird von den Stadttheatern gemacht. Weil die haben natürlich auch das Geld dafür, Dinge auszuprobieren, die dann vielleicht auch nicht funktionieren. Und die Kleinen setzen eher auf die etablierten Sachen. Da war für mich ja so wichtig bei dem 'Metropol', einen ganz andern Weg zu gehen, also zu sagen, ich will nicht über das Spekulative gehen, zu sagen, ich mach ein Zwei-Personenstück, weil's billig ist, mit einem großen Titel, den die Leute kennen, und am besten noch mit einem Fernsehschauspieler, den auch alle kennen und dann kommen sie schon, sondern ich wollte rein über die Inhalte gehen. Also die meisten Sachen, die ich mache, kennt man ja überhaupt nicht. Und die Machart der Stücke ist dann letztendlich, glaub ich, das geworden, was bei uns besonders ist und was über die Kontinuität dann auch funktioniert hat. Wie ein Label, das das Haus hat, wie einen Erkennungsstil, und das ist dann, glaub ich, letztendlich der Grund, warum es funktioniert."

(Jochen Schölch, Leiter des 'Metropol')

Der Kopf der Truppe

Jochen Schölch, der Leiter des Metropol, hat sich dem modernen Erzähltheater, der Adaption von Filmstoffen und dem Musical-Theater verschrieben. Auf dem Programm stehen in  der Hauptsache Uraufführungen oder zumindest München-Premieren. Mit vielen Preisen ausgezeichnet, etwa 2015 als bestes Off-Theater im deutschsprachigen Raum, ist das Metropoltheater zu einer Erfolgsgeschichte geworden, die einen staunen lässt – und Stück für Stück fortgeschrieben werden soll …


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