Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Literaturlandschaft Bayern Mechtilde Lichnowsky - Schriftstellerin

"Ihr Können scheint gar nicht entwickelt im Sinne der Fertigkeit, der Glättung, des Gekämmtseins sondern sie ist ein Blühen; ein reiches Stück Natur; ein Bündel Daseinsmusik; ein Glanz auf zwei Beinen. Sie bedeutet ein Kunstwerk mehr, als sie Kunstwerk schafft aber von ihrem Sein fällt ein Strahl glückselig auf ihr Geschaffenes." (Alfred Kerr)

Von: Hiltrud Häntzschel

Stand: 03.09.2011 | Archiv

Mechtilde Lichnowsky mit Ehemann Fürst Karl Max Lichnowsky | Bild: picture-alliance/dpa

"In Erscheinung und Ausdrucksweise hätte man nicht aristokratischer sein können, aristokratisch beinahe bis zur Selbstparodie", schreibt Golo Mann über das Elternhaus seines Salemer Schulfreundes Lichnowsky. Und wer Urururenkelin der Kaiserin Maria Theresia ist, den Namen Mechtilde Christiane Marie Gräfin von und zu Arco-Zinneberg trägt, den Fürsten und Diplomaten Karl Max Lichnowsky heiratet, in schlesischen Schlössern Kaiser Wilhelm II. bewirtet -, noch dazu eine Frau ist mit hoher Intelligenz und vielseitigen Begabungen, hat auf dem literarischen Markt mit Hochachtung und mit Gegenwind zu rechnen. Schnell lauten die Zuschreibungen ‚charmant’,  ‚geistreich’, ‚anmutig’, ‚fraulich’. Für den Freund Karl Kraus und seine Fackel hat sie komponiert und gezeichnet; in der Weimarer Republik war sie eine gefragte Stimme im Feuilleton.

"Fanatikerin der Prosa"

Schloss und Kirche von Schönburg bei Pocking

Mechtilde Lichnowskys schriftstellerische Hinterlassenschaft (18 Bücher, das letzte von 1958 trägt den Titel Heute und Vorgestern, dazu über 100 Veröffentlichungen in Zeitschriften) liest sich heute, als gehöre sie drei Jahrhunderten an. Die zärtliche Schilderung einer behüteten Kindheit in bayerischer Idylle auf Schloss Schönburg bei Pocking in Niederbayern und  die Liebessorgen einer hochadligen Tochter, sie wurzeln tief im 19. Jahrhundert. Was sie, die "Fanatikerin der Prosa", an üblen Sprachdummheiten ihrer Zeitgenossen, an Unsitten im Deutschen bemerkt, gesammelt und scharf kommentiert hat, das gilt im 21. Jahrhundert mehr denn je. - Hiltrud Häntzschel lässt die Dichterin, ihr Werk und ihre verehrenden und kritischen Zeitgenossen noch einmal zu Wort kommen.

Mechtilde Lichnowsky mit Ehemann Karl Max

Der neue deutsche Botschafter in London, Fürst Karl Max Lichnowsky und seine Frau, Fürstin Mechthilde Lichnowsky, 1912 auf dem Weg zur deutschen Botschaft in London. Die Schriftstellerin Fürstin Mechthilde Lichnowsky trug mit ihrer geistreichen Art dazu bei, dass die deutsche Botschaft in London zum Treffpunkt des britischen Hochadels wurde. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1928 zog sie an die französische Riviera. Dort traf sie ihre Jugendliebe R. H. Peto, den sie um 1900 auf Drängen ihrer Familie aufgeben musste, wieder und heiratete ihn 1937. - Mechthilde Lichnowsky wurde am 8. März 1879 in Schönburg geboren und verstarb am 4. Juni 1958 in London.


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