Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Königs Pudel oder Mops Hunderassen - Menschenklassen

Eine knappe Hunde-Kunde-Stunde über Herrschaftshunde und Hundeherrschaften, Herrenhunde, Damenhunde, Zamperl, hohe Tiere und arme Hunde, geprügelte Hunde. Wobei ein armer Hund, ein geprügelter Hund allzu oft der arme und geprügelte Mensch ist. Und ein geprügelter Hund nicht nur der, auf dessen Buckel Mann einen Stecken zerschlägt. Eine knappe exemplarische Sozialgeschichte der Hundehaltung, mit Geschichten, die um den Fressnapf kreisen - wie alle Sozialgeschichten ...

Von: Henrike Leonhardt

Stand: 06.06.2015 | Archiv

Der Mops "Luki" mit bayerischem Hütchen | Bild: picture-alliance/dpa

Auf seiner großen Europareise besuchte der fränkische Reiseschriftsteller Johann Georg Keyßler 1729 auch die bairische Kurfürstin Amalie in ihren Schlössern. Was er dort sah, hielt er als Merkwürdigkeit in seiner Reisebeschreibung fest:

"Die Hunde finden eine große Liebhaberin an ihr, welches man vornehmlich zu Nymphenburg an den übel zugerichteten damastenen Tapeten und Betten abmerken kann. Die kleinen englischen Windspiele gelten jetzt das meiste. Bei der Tafel stehen eine gute Menge derselben um die Kurfürstin und auf jeder Seite sitzt einer, die alles wegnehmen, was sie erwischen können. Nahe an der Kurfürstin Bette zu Schleißheim hat ein Hund ein golddamastseidenes kleines Gezelt mit einem Kissen."

(Johann Georg Keyßler)

Sie "haben ihre fetten Mopperln beständig bey sich im Bette"

Bettelnde Hunde bei Tisch, Holzschnitt, 1888

Wer nun denkt, derart auf den Windhund kommen kann nur eine jagd- und hundebegeisterte Kurfürstin – das Volk aber habe seinen mageren Bastard an die kurze Kette vors Haus gelegt, der liest mit Verwunderung eine Notiz im Kurfürstlichen Pfalzbaierische Regierungs- und Intelligenzblatt von 1796: „Es ist hier in München sehr gewöhnlich, daß viele Einwohner, vorzüglich der ärmeren Klasse, eine Anzahl von 4, 6 und 10 Hunden ... unterhalten ... Sieht man sich im Zimmer umher: so findet man alles unrein, Sessel, Canapee, Tische, Vorzüge, die Betten (denn die tollen Hundsliebhaber haben ihre fetten Mopperln beständig bey sich im Bette) und wenn man sich jählings einem Bette nähert, worin ein Hundsliebhaber liegt, so schießen sogleich 5 bis 6 wie wüthend unter der Decke hervor ...“ Ganz wie bei Kurfürstens? Nicht ganz. „Man denke sich dabey noch die gewöhnlich sehr engen Wohnungen dieser Leute ...“

Zwei Pfund Brot täglich für jeden Jagdhund

Jagdhunde bei der Dachsjagd, historischer Stich, 1869

In den feudalen Herrschaftszeiten des frühen und hohen Mittelalters war den Untertanen ihr überkommenes Recht auf die freie Jagd abgejagt worden. Der Landesherr beanspruchte das Jagen als gottgegebenes Hoheitsrecht, das er nach Belieben weiterverlieh, an Adel oder Klöster oder gefällige Herrschaften. Bis 1848 hat er dieses Regal - in gemilderter Erscheinungsform - behalten. Die ohnehin armen und geplagten Landleute mussten wochenlang Jagdscharwerk, Jagdfron leisten, Treiberdienste, Fuhrdienste, Hundeführerdienste, auch Hilfsdienste beim Schleppen und Aufstellen der Fangnetze; sie mussten Jägern und Pferden Quartier einräumen, Pferd und Wagen stellen - und sie mussten herrschaftliche Jagdhunde bei sich in Dauerpension aufziehen und verpflegen - die "Hundelege". Zwei Pfund Brot sollte jeder Hund täglich erhalten.

Der Dackel - Jagdhund und Wahrzeichen auf vier Beinen


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