Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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"Ois Chicago" Helmut Dietl und seine Münchner Filmerzählungen

Am 22. Juni 2014 feierte der inzwischen verstorbene Helmut Dietl seinen 70. Geburtstag. Moritz Holfelder hat sich auf die Spuren des Kult-Filmemachers begeben. Er erkundet die realen Drehorte der Fernsehserien "Münchner Geschichten", "Monaco Franze" und "Kir Royal" und dokumentiert die Zeit, die stadtgeschichtlich seither vergangen ist.

Von: Moritz Holfelder

Stand: 21.06.2014 | Archiv

Drei Männer mit Cowboyhüten sitzen nach einer heißen Faschingsnacht am Ufer der Isar gegenüber vom Landtag und seufzen:

"Schee war's.
Schee war's scho.
Ganz schee war's.
So schee war's überhaupt no nia.
Wenn ma denkt, dass dann auf amoi ois vorbei is.
So is des im Lebn, zuerst is schee, dann is auf amoi ois vorbei.
Ja ja, heit is Samstag, morgn is Sonntag und übermorgn is Montag ...
Zwoa Tag no.
Scheiß Versicherung.
Scheiß Taxi.
Zwoa Tag no bis Sacramento.
Was?
Zwoa Tag hamma no Zeit bis Sacramento, verstehst!
I geh alloa a, mitanand wär's natürlich scheener, aber i geh alloa a,
i geh auf jeden Fall!
Wenn ma genga, dann genga ma mitanand."

(Aus 'Münchner Geschichten - Der lange Weg nach Sacramento')

"Der lange Weg nach Sacramento"

Die Cowboys Zappata (Towje W. Kleiner), Zorro (Günther Maria Halmer) und Gringo (Frithjof Vierock)

Der Tscharlie, der Gustl und der Achmed sind das Dreigestirn der legendären Fernsehserie "Münchner Geschichten". Die drei Vorstadt-Cowboys aus dem Lehel entstammen dem kleinbürgerlichen Milieu - und kämpfen nicht nur gegen das eigene Phlegma, sondern auch gegen Altstadtsanierung und Gentrifizierung. Schon damals war das ursprüngliche München dem Untergang geweiht - Regisseur und Drehbuchautor Helmut Dietl war einer der ersten, die diese Entwicklung der Dinge bereits Mitte der siebziger Jahre seismographisch erspürten.

"Monaco Franze" - "A bisserl was geht immer"

Helmut Fischer als "Monaco Franze" | Bild: BR

Helmut Fischer in seiner Rolle als "Monaco Franze"

Moritz Holfelder erkundet die realen Drehorte der Fernsehserien "Münchner Geschichten", "Monaco Franze" und "Kir Royal" und dokumentiert die Zeit, die stadtgeschichtlich seither vergangen ist. Er lässt die Schauspieler und Mitarbeiter von Helmut Dietl zu Wort kommen, etwa Mario Adorf, Michaela May und Günther Maria Halmer. Er befragt den Regisseur zu seinem lakonischen Humor und seinem gesunden Misstrauen gegenüber der Menschheit. Er spürt Dietls Liebe zu den Charakterköpfen unter den Menschen seiner Heimat nach und begibt sich auf die Suche nach jenem spezifisch münchnerischen Flair, das er in Szene setzte und in Worte fasste: Der Spruch "Ois Chicago!" fand dank Helmut Dietl Eingang in den festen Wortschatz an der Isar. - "Logisch!" - "Sowieso!" - "A Riesensach!"

Bekannte Zitate aus "Monaco Franze":

  • "Ehrlich gesagt, ich interessiere mich wahnsinnig für Frauen!"
  • "Immer des Gschiess mit der Elli!"
  • "Ah, des war bestimmt da Tierpark Toni!"
  • "A Hund bist scho, Franze."
  • "A rechte Sternstunde war's, oder Spatzl?"
  • "Geh Spatzl, schau wia I schaug!"
  • "Franze, des is doch a gmahde Wiesn!"
  • "A bisserl was geht immer!"
  • "Während de Ihr Halleluja singen, ist bei uns der Deifi los."
  • "Aus is und gar is, und schad is, dass's wahr is!"

Filmografie (Auswahl):

  • 1974: Münchner Geschichten (Fernsehserie, 9 Episoden), Co-Regie Herbert Vesely, Autor: Helmut Dietl
  • 1976: Die Eroberung der Zitadelle, Produzent
  • 1979: Der Durchdreher, Buch: Helmut Dietl
  • 1979: Der ganz normale Wahnsinn (Fernsehserie, 12 Episoden), Buch: Helmut Dietl
  • 1983: Monaco Franze - Der ewige Stenz (Fernsehserie, 10 Episoden), Buch: Helmut Dietl und Patrick Süskind
  • 1986: Kir Royal (Fernsehserie, 6 Episoden), Buch: Helmut Dietl und Patrick Süskind
  • 1992: Schtonk!, Buch: Helmut Dietl und Ulrich Limmer
  • 1997: Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief, Buch: Helmut Dietl und Patrick Süskind
  • 1999: Late Show, Buch: Helmut Dietl und Christoph Müller
  • 2005: Vom Suchen und Finden der Liebe, Buch: Helmut Dietl und Patrick Süskind
  • 2012: Zettl, Buch: Helmut Dietl und Benjamin von Stuckrad-Barre

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